Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

324 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch Staaten.

Handelsgesetzbuches sei und behauptete eventuell, daß ein grobes Ver-
sehen nicht vorliege. Den vernommenen Spediteuren könne in dieser
Beziehung ein vollgültiges, nach allen Seiten hin den factischen Ver-
hältnissen Rechnung tragendes Urtheil nicht zugetraut werden, da sie
von dem massenhaften Güterverkehr der Eisenbahn keine unmittel-
bare Kenntniß hätten. In dieser Beziehung wird behauptet,
1) daß über die Speicher der Versandt-Güter-Expedition, der
die Verladung der fraglichen Kaffeeladung oblag, täglich
10—15 Tausend Collis gehen, welche nicht selten gleiche
oder doch ähnliche Signaturen tragen;
2) daß Petroleum in der Regel in Fässern oder Blechflaschen
zum Transport gelange;
3) daß das Petroleum, mit welchem der fragliche Kaffee zu-
sammen verpackt worden, in einer Glasflasche und diese
wieder in einer wohlverschlossenen Kiste enthalten gewesen sei;
4) daß die Verladungen bei Nacht geschehen;
und aus das sachverständige Gutachten von Eisenbahnbeamten dar-
über Bezug genommen, daß beim Eisenbahnbetriebe Versehen wie
das vorliegende zwar überhaupt nicht, aber bei nur gewöhnlichen
Fähigkeiten, d. h. ohne sachverständige Kenntniß und Uebung und
ohne Anstrengung der Aufmerksamkeit immer vermieden werden
könnten und daß unter den obwaltenden Umständen keinenfalls anzu-
nehmen sei, daß diejenigen Personen, welche die Verladung des Kaffees
vorgenommen, sich dabei einer böslichen Handlungsweise schuldig
gemacht haben.
Der Kläger bestritt diese Behauptungen und führte zum Nach-
weise des der Eisenbahnverwaltung zur Last fallenden groben Ver-
sehens noch an, daß notorisch der Kaffee durch die Einmischung irgend
einer Flüssigkeit, namentlich von Flüssigkeiten wie Oel, Petroleum
u. dgl. verdorben würde, und daß das Handelsministerium durch ein
Rescript die Eisenbahnverwaltungen im Allgemeinen angewiesen habe,
Petroleum nicht mit anderen Gütern zu verpacken, sondern in den
sog. Feuerwagen zu spediren.
Diese letzte Behauptung hat die Verklagte in ihrer Allgemein-
heit bestritten und nur zugegeben, daß in Betreff des ungereinigten
Petroleums bestimmt worden, daß es unter Beobachtung der Vor-
sichtsmaßregeln beim Transport feuergefährlicher Gegenstände ver-

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