Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

Königreich Preußen.

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gefäß zerstört ist, die also nur eine mittelbare Folge des Ver-
fahrens ist, überhaupt zu ersetzen ist, d. h. die Frage, ob diese Folge
sich voraussehen ließ, § .6. 8,1, 3 allg. L.-R. ist hier nicht in Rede,
da die verklagte Eisenbahndirection ihre Haftpflicht im Allgemeinen
anerkannt hat und damit festgestellt ist, daß sie verpflichtet ist, auch
die mittelbaren Folgen des Zusammenpackens zu vertreten. Eben-
sowenig kann ein Zweifel darüber obwalten, daß die verkl. Gesellschaft
für die Handlungen ihrer Beamten und Angestellten verantwortlich
verantwortlich ist;*) auch dieß ist nicht streitig. Es ist nun durch das
übereinstimmende Gutachten zweier vom Kläger namhaft gemachter
Spediteure Sachverständigen eidlich begutachtet worden, daß das
Zusammenverpacken von Kaffee und Petroleum in einem und dem-
selben Güterwagen in unmittelbarer Nähe behufs Versendung dieser
Maaren ein Versehen sei, welches der mit der Verpackung Beauf-
tragte bei gewöhnlichen Fähigkeiten ohne Anstrengung der Aufmerk-
samkeit vermeiden konnte.
Unter diesen Umständen ist ein grobes Versehen des betreffenden
Bahnbeamten unzweifelhaft und kann sich die Verkl. nach dem vor-
stehend Ausgeführten der Verpflichtung zum Ersätze des vollen
Schadens nicht entziehen. Dieser ist einmal in quanto nicht be-
stritten, er ist aber auch nach Art. 396 des H.-G.-B. liquidirt, da
der Kaufpreis des Kaffees mit dem Handelswerthe, welcher zu er-
setzen ist, zusammenfällt. Auch der Zinspunkt erledigt sich dadurch,
daß dieser Kaufpreis unbestritten am 15. März 1864 bezahlt ist und
dem Kläger seitdem die Nutzung des Capitals entzogen ist, ohne daß
er eine Aequivalent dafür erhalten.

Die verklagte Eisenbahndirection hat gegen das zu ihren Un-
gunsten ergangene erste Erkenntniß, weil sie nach dem Klageanträge
verurtheilt und nicht der Kläger mit seiner den zugestandenen Betrag
des Schadensanspruchs von 147 Thlr. 27 Sgr. übersteigenden Mehr-
forderung von 98 Thlr. 28 Sgr. sowie mit sämmtlichen Kosten abge-
wiesen ist.
Sie führte aus, daß das von dem ersten Richter festgestellte
grobe Versehen noch keine bösliche Handlungsweise im Sinne des

*> Bergt. Busch, Archiv, Bd. 2, S. 189.

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