Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 7 (1866))

256 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

Besitzer, welcher sie nicht unentgeltlich überkommen hat, nicht vindi-
cirt werden können. Auch der Extrahent des Aufgebots würde daher
einen Vindications-Anspruch gegen die Kläger nicht haben geltend
machen können. Wenn gleichwohl durch die spätere Amorsitation
der Verlust der Actien für die Besitznachfolger der Kläger eingetreten
ist, so ist der Grund dafür nicht in dem Mangel des Eigen-
thum s r e ch t s des Verklagten, welches er nicht auf die Kläger, und
diese nicht weiter hätten übertragen können, zu finden. Auch aus
diesem Gesichtspunkte erscheint der Anspruch der Kläger nicht be-
gründet.
3) Die Kläger halten endlich den Verklagten zur Gewähr-
leistung nach den §§ 329 slg., Thl. I, Tit. 5 a. a. O. verpflichtet,
weil es als gewöhnlich vorausgesetzte (gesetzmäßige)
Eigenschaft einer Actie angesehen werden müsse, daß sie nicht als
entwendet aufgeboten sei, diese Eigenschaft aber den fraglichen Actien
zur Zeit des Verkaufs gefehlt habe. Einem Anspruch dieser Art stehen
jedoch drei Rechtsgründe entgegen.
a. Fehlen nämlich einer veräußerten Sache solche Eigenschaften,
welche dabei gewöhnlich vorausgesetzt werden, so finden nach § 329,
Thl. I, Tit. 5 zunächst die Vorschriften des Tit. 4, § 81. 82 Anwen-
dung, wonach auch solche Willenserklärungen, welche auf einem Jrr-
thume in gewöhnlich vorausgesetzten Eigenschaften der Person oder
Sache beruhen, dennoch bestehen bleiben, wenn der Irrende durch
eignes grobes oder mäßiges Versehen seinen Jrrthum veran-
laßt hat. Nun ist aber oben gezeigt worden, daß es auf eignem groben
Versehen der Kläger beruht, wenn sie als Bankiers bereits aufgebo-
tene Actien gekauft haben. Sie können daher den durch dieses ihr
Versehen begangenen Jrrthum nicht rügen.
b. Nach § 331 in Verbindung mit den §§ 325—328, Thl. I,
Tit. 5 kann ferner derjenige Empfänger, welcher eine fehlerhaft be-
fundene Sache, obschon «ohne eignes Verschulden, nicht mehr in dem
frühem Stande zurückgeben kann, von dem Geber nur so viel an
Vergütung fordern, als die Sache wegen der fehlenden Eigenschaften
weniger werth ist. Die Kläger können nun die fraglichen Actien,
nachdem sie völlig entwerthet sind, in dem frühem Zustande
nicht mehr zurückgewähren. Sie würden daher, selbst wenn ihnen
nicht ihr eignes Versehen entgegenstände, jedenfalls nur soviel an

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