Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

98

Abhandlungen

auf offene Detailgeschäfte, sowie auf Personen, welche in diesem
Geschäfte angestellt, also im Dienste des Geschäftsherrn seien;
vielmehr beruhe derselbe in dem generellen Mandate eines solchen
Agenten, welcher, wenn ihm ein Lager zur Disposition gestellt sei,
auch zugleich zu allen denjenigen Handlungen Vollmacht erhalte,
welche der Natur und dem Zwecke dieses Geschäftes und den in
Bezug darauf eintretenden Umständen und somit dem Willen des
Mandanten entsprächen."
Dieß sind die Anschauungen, welche sich rücksichtlich der vor-
liegenden Frage mit Ausnahme eines später zu erwähnenden Falles
bis jetzt in der Praxis geltend gemacht haben. Die in dem zuletzt
mitgetheilten Erkenntnisse reserirten Gründe dürften scheinbar die
meiste Berechtigung für sich haben. Sie sind aber, ganz abgesehen
von ihrer Haltbarkeit, ebensowenig, wie die in den übrigen gedachten
Entscheidungen gegebenen Begründungen für den Zweck dieser Be-
sprechung ausreichend, da sie nur für den einzelnen gegebenen Fall
aufgestellt sind, ein allgemeines Princip aber nicht aussprechen.
Dieses allgemeine Princip zu finden, möge Aufgabe der folgenden
Erörterungen sein, wobei, wie bemerkt werden mag, von dem Stand-
punkte des gemeinen und sächsischen Rechts ausgegangen werden
wird. Nach gemeinem Rechte galt der Grundsatz, daß in dem
Falle, wo Jemand wissentlich ohne Widerspruch gestattet, daß ein
Anderer seine Geschäfte besorge, die Unterlassung dieses Widerspruchs
die Annahme seiner Genehmigung rechtfertige. Dieß findet sich
ausgesprochen in 1. 6, §2D. mand. vel contra XVII. 1. verbis:
,,Si passus sim, aliquem pro me fidejubere, vel alias inter-
venire, mandati teneor; ferner in 1. 18 eod. tit.: qui patitur ab
alio mandari, ut sibi credatur, mandare intelligitur, endlich
1. 60 D. de reg. jur. L. 17: Semper qui non prohibet pro se
intervenire, mandare creditur, und an noch anderen Stellen z. B.
1. 53 II. mandati vel contra, 1. 6. Cod. mand. IV. 35.
Dieser Satz ist in das bürgerliche Gesetzbuch für das Königreich
Sachsen § 1297 übergegangen, wo es heißt: „Wer, ohne zu wider-
sprechen, geschehen läßt, daß seine Geschäfte in seiner Gegenwart von
einem Anderen geführt werden, ist als Auftraggeber zu betrachten."
Hier wird zwar die Gegenwart dessen, für den ein Geschäft ohne
ausdrücklichen Auftrag geführt wird, erfordert. Es dürfte dieß im

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