Full text: Volume (Bd. 7 (1866))

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Abhandlungen.

auch auf alle Arten von Vollmachtsverhältnissen — mit Ausnahme
des Procuristen — ausgedehnt wissen zu wollen, also den Ausdruck
„Diener" in einem ganz allgemeinen Sinne, nämlich in dem
Sinne des Verhältnisses des Auftraggebers zumAuf-
tragnehmer zu verstehen. Es dürfte sehr fraglich sein, ob diese
Sätze sich auf die durch das Handelsgesetzbuch eingeführten, bez.
sanctionirten Vollmachtsverhältnisse so ohne alle Einschränkung an-
wenden lassen.
Nachdem durch das Erläuterungsgesetz vom 15. Juli 1858 der
Art. 284 des Eingangs gedachten Strafgesetzbuchs authentisch inter-
pretirt und an Stelle des zu irrigen Auffassungen Anlaß gebenden
Ausdrucks: „zum Nachtheile des Getäuschten" die Worte: „zu Je-
mandes Nachtheile" demselben einverleibt worden sind,*) ist man der
richtigen Bestimmung des Begriffs: „Verletzter" näher gekommen.
Denn nunmehr kann es schon nach dem klaren Wortlaute des Gesetzes
gar nicht zweifelhaft sein, daß der durch eine betrügerische Handlung
Getäuschte nicht in allen Fällen der Verletzte zu sein braucht. Dieß
wird von Krug a. a. O. auch anerkannt, nur daß derselbe das dem
hier in Frage gekommenen Begriffe zu Grunde liegende Princip nicht
immer richtig anwendet. Dieses Princip, von welchem man bei Auf-
findung des gedachten Begriffs auszugehen hat, ist, wenn man sich
an die Worte des Gesetzes hält, dahin auszudrücken: „Als der
durch eine betrügerische Handlung Verletzte ist derjenige
anzusehen, welchen der durch dieselbe erwachsene Nach-
theil trifft." Hält man an diesem Grundsätze fest, so wird man bei
Beurtheilung des concreten Falles nicht fehlen können. Durch den-
selben wird freilich die Frage, „wer derjenige sei, welchen der
Nachtheil treffe?" nicht beantwortet und auch das Strafgesetz-
buch gibt hierüber einen Aufschluß nicht. Dieß ist aber auch ganz in
der Ordnung. Fragen dieser Art sind in einem Strafgesetzbuchs
nicht zur Entscheidung zu bringen, denn sie gehören vor das Forum

*) Dieser Art. 284 lautet nunmehr wörtlich so: „Wer durch Täuschung,
sei es mittels Vorspiegelung unwahrer oder Verheimlichung wahrer Thatsachen
oder Verhältnisse, deren Angabe nach Lage der Sache mit Recht erwartet werden
konnte, sich oder Anderen zu Jemandes Nachtheile einen rechtswidrigen
Vermögensvortheil verschafft, macht sich des Betrugs schuldig."

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