Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Königreich Bayern. Art. 1, 306, 307, 310, 357 und 375. 93
sein kann, da die Beklagte selbst, wie erwähnt, in ihren Briefen
die Bonds von vornherein lediglich als Caution bezeichnet und
späterhin dem Kläger H. Sch. den Verkauf derselben angedroht
und hiermit implicite eine vorausgegangene Annahme derselben
als datio in solutum selbst ausschließt;
Daß sonach die fraglichen Bonds in den Händen der Be-
klagten nur ein Faustpfand bildeten, und bei der Veräußerung
derselben die für die Veräußerung der Faustpfänder gegebenen ge-
setzlichen Formalitäten eingehalten werden mußten, daß jedoch
Untergebens nicht der Formalitäten des Artikel 2078 Code civil,
vielmehr die des Art. 310 des allgemeinen deutschen Handelsge-
setzbuchs maßgebend sein konnten, da klägerischer Seits mit Unrecht
ausgestellt wird, es seien die Kriterien des letzteren Gesetzes nicht
gegeben, daß es nämlich keinem gegründeten Zweifel unterliegen
kann, daß der Ankauf der Lombarden, zu deren Sicherheit das
Pfand bestellt wurde, nicht blos auf Seite der beklagten Firma,
sondern auch auf Seite des Klägers H. Sch., der, was nicht zu
bezweifeln als Kaufmann zu erachten ist, ein Handelsgeschäft
bildeten, indem daraus, daß H. Sch. die Lombarden nicht sofort
bezogen noch baar bezahlt hat, sondern solche auf Credit kaufen
ließ, hervorgeht, daß er hiermit keine feste Anlage eines paraten
Kapitals zu machen beabsichtigte, eben so der Umfang dieses Lom-
barden-Geschäftes darauf schließen läßt, daß es lediglich ein Spe-
culationsgeschäft gewesen ist und von vornherein der alsbaldige
Wiederverkauf dieser Papiere beabsichtigt war, wie denn notorisch
im Laufe des jüngsten Frühjahres in ähnlicher Weise vielfach mit
fraglichem Papiere speculirt worden ist, daß zwar beklagterseits
nicht behaupte! werden kann, daß mit der Uebergabe des Faust-
pfandes sogleich auch eine schriftliche Verbriefung des Pfandver-
trags stattsand, daß jedoch eine spätere briefliche Erklärung als
Bestätigung oder Anerkennung eines Pfandvertrages der schrift-
lichen Eingehung eines solchen gleich zu achten ist und Kläger
H. Sch. nicht bestreiten kann, am 22. Juli dieses Jahres der
Beklagten mit Bezug aus „die Amerikaner" geschrieben zu haben,
„mein Deposit" bleibt ja in ihren Händen, hierin aber eine
schriftliche Anerkennung und Bestätigung der fraglichen Pfandbe-
ftellung erblickt werden muß, (Hahn II, pag-, 119; Th öl. I,

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