Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

86

Königreich Bayern. Art. 421, 424.

eben nur der durch die persönliche Gegenwart abwendbare Nach-
theil zu verstehen ist, so daß ein außerhalb des Bereiches dieser
Abwendungs-Gewalt entstandener Schaden selbst bei Anwendung
der Bestimmung in § 34 No. 6 als ein Schaden „anderer Art"
zu betrachten wäre.
Die von der Beklagten für sich geltend gemachten Befreiungs-
gründe von der Haftpflicht treten aber nach § 22, Nr. 7 außer
Wirksamkeit, wenn nachgewiesen wird, daß der Schaden durch
Schuld der Bahnverwaltung oder ihrer Leute entstanden ist.
Solches wurde von dem Kläger bisher wenigstens behauptet, und
es mußte daher demselben — der eventuellen Berufungsbitte der
Beklagten entsprechend — hierüber nach Maßgabe des einschlä-
gigen thatsächlichen Materials vorerst noch Beweis überbürdet werden.
Ein Verschulden der betreffenden Bahnbediensteten ist nun
zweifellos anzunehmen, wenn sie von dem Kläger rechtzeitig auf-
merksam gemacht wurden, daß die fragliche Kiste einen Spiegel
enthalte, weil alsdann die feststehende Thatsache, daß sie die Kiste,
fei es in der von dem Kläger vorgebrachten oder in der von der
Beklagten erzählten Art, entgleiten ließen, als ein Ausfluß großer
Unvorsichtigkeit oder Ungeschicklichkeit sich darstellt, die ihnen nicht
gleichermaßen zur Last gelegt werden kann, wenn sie von dem be-
sonderen Inhalte der Kiste in keiner Weise unterrichtet und somit
irgend einen gewöhnlichen Gegenstand darin vermuthend, bei der
Ausladung des Wagens rascher und gleichgiltiger verfuhren.
Was hingegen die Beschwerdeführung des Klägers betrifft, so
erblickte dieser in dem Umstande, daß die Beförderung der Spie-
gelkiste mit Wissen und Willen der Beklagten vor sich gegangen,
d. h. von derselben thatsächlich übernommen worden sein soll,
mit Recht eine hinreichende Grundlage für die Haftpflicht der
Eisenbahnverwaltung. Die Equipage, um deren Weitertransport
es sich hier handelte, war der Wohnungswagen eines fahrenden
Künstlers, der bekanntlich nicht blos zu dessen persönlichem Auf-
enthalte dient, wie sich ja in dem gegenwärtigen Falle bewährt
hat, sondern auch alle zum häuslichen Gebrauche und zur Geschäfts-
ausübung erforderlichen Gegenstände in oder um sich vereinigt.
Wird nun ein solcher Wagen zur Beförderung übergeben, so darf
der Versender füglich annehmen, daß damit auch die eben bezeich-

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer