Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

76 Königreich Bayern. Art. 395, 396, 408.
In beiden Fällen ist aber eine höhere Gewalt, wie sie
Art. $95 voraussetzt, ausgeschlossen, und konnte außerdem kein
solches äußeres Ereigniß in Bezug genommen werden, dessen Ver-
meidung geradezu unmöglich gewesen wäre, während andererseits
selbst ein bloßer Zufall die Haftbarkeit des Frachtführers noch
keineswegs ausschließt,*) worauf allein die Berufung des Beklagten
zu stützen versucht wird.
Demnach stellt sich sowohl die primäre Bitte des Fiscus auf
Klagsentbindung, als dessen eventueller Antrag, der Klägerin
den Beweis des Verschuldens auf Seite der Bahnver-
waltung aufzulegen, als ungerechtfertigt dar.
Aber auch der weiteren Beschwerde des Fiscus, ihm den
Beweis darüber freizulassen, daß der eingetretene Schaden lediglich
durch das eigene Verschulden der Klagspartei einge-
treten sei, konnte nach den obwaltenden thatsächkrchen Voraus-
setzungen keine Folge gegeben werden.
Diese Einrede beruht nämlich darauf, daß, als die Krahnen-
Kette riß, die Pferde der Klägerin scheuten und, weil sie von dem
betreffenden Kutscher nicht gehörig beaufsichtigt wurden, in Folge
des Scheuwerdens den Wagen in eine schiefe Lage brachten, weß-
halb der schwere Chlinder herabfiel und hierbei eine Beschädigung
erlitt.
Es mag nun dahingestellt bleiben, ob in der That damals
jene Pferde nicht gehörig beaufsichtigt waren; denn jedenfalls steht
dieses mit dem Bruche der Krahnenkette in gar keinem Zusammen-
hänge, im Gegentheile sind die Pferde gerade durch den Bruch
der Krahnenkette und das Herabfallen des schweren Cylinders scheu
geworden, es war somit nicht das Scheuwerden der Pferde, sondern
der Bruch des Krahnens die Hauptursache der eingetretenen Be-
schädigung und kann daher aus das nur ein nebensächliches und
Mittelbares Moment bildende Scheuwerden der Pferde um so
weniger ein besonderes Gewicht gelegt werden, als sich auch gar
nicht bestimmen läßt, ob in dem Falle, als die Pferde nicht ge-
scheut haben würden, nicht dessenungeachtet der Chlinder voll dem
Wagen auf den Boden gefallen, und ob gerade durch das Fallen

*) Vgl. v. Hahn a. a. £>., S. 430, dann Busch Archiv, Bd. XVIll, S. 3 s.

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