Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

674 Entscheidungen deS R.--O.-H.-G. irt Handels- u. Wechselsachen.
Beenden einzelner Fahrten mit verhältnißmäßig schweren Ladungen
noch keinen Beweis dafür liefert, daß keine Ueberladung statt-
gehabt habe. Alles hängt dabei, wie der Zeuge Koppermann
ad. Art. 18 Tit. 3 bemerkt, „von Wind und Wetter" ab. Der
Zeuge Jernbergh endlich hat nur über allgemeine und unzuver-
lässige Wahrnehmungen berichtet.
Das bei weitem wichtigste unter den Atomenten, welche den
Messungsergebnissen gegenüber vorgebracht sind, wird durch den
von dem Handelsgerichte angezogenen und als durchschlagend be-
handelten, auch vom Obergerichte in gewissem Maaße anerkannten
Erfahrungssatz gebildet, daß die Ergebnisse der Schiffsmessungen
keinen zuverlässigen Schluß auf die Tragfähigkeit der Schiffe
abgeben, indem Schiffe von gleichem angegebenen Maaße bis zu
30 Prozent, ja selbst noch weiter, in der Tragfähigkeit von einan-
der abweichen.
Neues Archiv für Handelsrecht, Bd. 2, S. 261 flg.
Es würde indessen bedenklich sein, jenem Erfahrungssatze
ohne Weiteres in dem Maaße Wirksamkeit beizulegen, in welchem
dies vom Handelsgerichte geschehen ist. Derselbe geht, erstens,
nicht dahin, daß die Trag- (oder Lade-) Fähigkeit bis zu 30
Procent und selbst noch weiter von dem Ergebnisse der Messung
abweiche, sondern nur dahin, daß zwischen Schiffen gleichen
Maaßes derartige Abweichungen nicht ungewöhnlich sind. Abwei-
chungen kommen aber nach beiden Seiten vor; die Tragfähigkeit
einiger Schiffe bleibt hinter dem Ergebniß der Messung zurück;
diejenige anderer Schiffe übersteigt dieses Ergebniß. Die Diffe-
renz, welche zwischen der Tragfähigkeit der verschiedenen Schiffe
unter einander vorkommt, ist hiernach nicht zugleich eine Differenz
von dem Resultate der Messung; vielmehr ist diese letztere
Differenz minder groß im Vergleich mit der „zu 30 Prozent
oder selbst noch mehr anzunehmenden Differenz des Ersahrungs-
satzes. Zweitens geht das über die Unzuverlässigkeit der Messungen
Bemerkte wesentlich auf Seeschiffe. Nur bei diesen kommt der
Hauptveranlassungsgrund der in Rede stehenden Verschiedenheit
in erheblichem Maaße vor. Dieser Hauptveranlassungsgrund
besteht darin, daß die Tragfähigkeit eines Schiffes keineswegs
allein von der Größe des Laderaums abhängt, sondern bedingt

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