Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen. 651
Krankheit, noch als Gebrechen oder Leibschaden angesehen werdend
Demnach konnten auch die Versicherungsnehmer im guten Glauben
an die Gesundheit der Frau Astor sein, und die betreffenden Fra-
gen in diesem Sinne beantworten. Dabei kommt, obwohl nicht
entscheidend, immerhin in Betracht, daß nach dem Gutachten des
Obermedicinalrathes jene Zustände ohne allen Einfluß auf den
Tod der Frau Aftor gewesen sind.
Die aus der verneinenden Antwort auf die Frage 7a.: „Wer
ist gegenwärtig Ihr Arzt?" entnommene Bemängelung findet
darin Unterstützung, daß der Arzt Th. augab, er sei seit 8 Jahren
Hausarzt bei dem Kläger. Indessen die nach dem Obigen von
der Beklagten zu verantwortende Fassung dieser Frage konnte sehr
leicht zu der Auslegung führen, als ob es sich darum handle, ob
gerade damals der Versicherungsnehmer in ärztlicher Behandlung
stehe, und dies konnte trotz der Existenz eines Hausarztes verneint
werden, sofern der Kläger und seine Frau sich desselben damals
nicht bedienten, was wieder aus die Frage wegen der Gesundheit
führt. Dafür, daß die Frage wirklich in obigem Sinne verstan-
den worden ist, spricht die Antwort von Seiten des Klägers selbst,
welche lautet: „Keiner erforderlich", also sich offenbar nur auf
das augenblickliche Bedürfniß bezieht. Hat die Beklagte sich mit
dieser Antwort begnügt, so ist sie um so weniger befugt, sich über
ein etwaiges Mißverständniß der Frage zu beklagen.
Von sonstigen irgendwie erheblichen Gesundheitsstörungen des
Klägers und seiner Frau ist nichts weiter ersichtlich, als die auch
in der Appellationsbeschwerdeschrift aufrecht erhaltene Behauptung,
daß Kläger an constitutioneller Syphilis gelitten habe. Dafür
mangelt es aber an genügendem Beweise, denn der Arzt L. will
allerdings im Frühjahr 1868 an dem Kläger Gummi-Geschwülste
(s. g. Nodi) wahrgenommen, und dagegen Arsenik (bekanntlich ein
anti-syphilitisches Mittel) verordnet haben; auch ist es nicht un-
verdächtig, daß der Arzt Th. auf die Hierwegen gestellte Frage
die Zeugnißablage auf Grund seiner Pflicht zu ärztlicher Ver-
schwiegenheit verweigert, und seinem deßfallsigen Gutachten eine
Beschränkung beigesügt hat. Allein als positiver Beweis läßt sich
doch nur die Aussage des Arztes L. ansehen und deren Gewicht
ist wesentlich geschwächt durch die Bedenken des erstinstanzlichen

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