Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Königreich Bayern. Art. 357.

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Letzteres findet sohin auch für den gegenwärtigen Fall An-
wendung, weil der klagsgegenständige Kauf unbestrittenermaßen
nicht in die Kategorie der Fixgeschäfte gehört.
Die Klagspartei geht aber weiter von dem Gesichtspuncte
aus, daß nach den Grundsätzen des hier zur Anwendung kommen-
den gemeinen Rechtes im Falle eines Verzuges aus Seite des
Verkäufers der höchste Werth, welchen die Sache in der Zwischen-
zeit hatte, der Schadensersatzberechnung zu Grunde zu legen ist,
und macht für sich geltend, daß die Qualität der von ihr am
18. Januar 1868 gekauften Baumwolle laut der in Vorlage
gebrachten Courszettel vom 30. April 1868 zu dieser Zeit
auf 12% pence stand, während der Kaufpreis 7% pence per
englisch Pfund betrug.
In dieser Beziehung ist nun zunächst hervorzuheben, daß die
Bestimmung des gemeinen Rechts, es dürfe beim Verzüge derjenige
Zeitpunkt für die Werthschätzung einer Sache ausgewählt werden,
in welchem die Sache den höchsten Werth gehabt, (id tempus
spectandum, quo res unquam plurimi fuit) nicht so unbedingt
aus alle Fälle Anwendung findet, und haben sich namentlich ent-
gegen den Anschauungen in Puchta's Pandecten § 268 und Vor-
lesungen hierzu Bd. I., S. 94 nicht nur von Savigny in seinem
Systeme des heutigen römischen Rechts Bd. VI, § 275, S. 199 ff.,
sondern auch Unterholzner in seiner Lehre von den Schuldverhält-
nissen Bd. I, S. 123 und 266, dann Sintenis in seinem practisch-
gemeinen Civilrecht Bd. II., S. 194, Note 41 unter Zugrunde-
legung der betreffenden Stellen der Pandecten dahin ausgesprochen,
daß nur dann der Gläubiger den höchsten Werth verlangen kann,
welchen die Sache während der ganzen Zwischenzeit gehabt hat,
wenn der Verzug — insbesondere ohne eine Mahnung — in
Folge des widerrechtlichen Vorenthaltens einer Sache begründet
fit, so daß er sich für den Fall der Fortdauer dieser Widerrecht-
lichkeit in jedem Augenblicke erneuert, und blos in diesem Sinne
scheint auch Seusfert in seinem Lehrbuche der Pandecten S. 240,
Anm. 5 die Sache aufgefaßt zu haben, wie nach dem betreffenden
Citate anzunehmen ist. (Vergl. auch Göschen, Civilrecht, Bd. III.
S. 143.)
Im Uebrigen äußert der Verzug des Schuldners auf den

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