Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

608 Entscheidungen b;§ R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen.
anlaßt und zwar dadurch, daß dieser, als er sich neben ihr, der
Silesia, befunden, ungehöriger Weise sein Steuerruder Backbord
gelegt habe und dadurch auf sie gedrängt worden sei. Abgesehen
hiervon sei jedenfalls der dem Thor durch die Collision mit dem
Christel verursachte Schaden ihm aus dem Grunde allein zur
Last zu bringen, weil, nachdem er von ihr, der Silesia, freigekom-
men gewesen, er es völlig in seiner Macht gehabt habe, durch
Steuern, Stoppen oder Rückwärtsgehenlassen der Maschine den
zweiten Zusammenstoß zu verhindern, solche Maaßregeln aber von
ihm schuldvoll nicht angewendet worden seien. Diesen! letzteren
Vorbringen der Silesia stehe auch nicht etwa die in der Sache
Christel e. Thor erfolgte, dem Thor in dieser Richtung günstige
Entscheidung entgegen, da sie, die Silesia, in jenem Prozesse nicht
Partei gewesen sei.
Die Entscheidungen der vorderen Instanzen in der vorliegen-
den Sache sind abweichend von einander ausgefallen. Das Han-
delsgericht hat die Klage des Thor ohne Weiteres abgewiesen.
Das Obergericht hat dagegen auf klägerischen Beweis eines Ver-
schuldens der Silesia, unter Vorbehalt für diese, die, wie vor-
erwähnt, von ihr behaupteten Versehen des Thor ihrerseits zu
erweisen, erkannt. Gegen die Obergerichts-Entscheidung ist nun-
mehr von beiden Seiten an die dritte Instanz appellirt worden.
Beide Theile haben in erster Reihe ein definitives (resp. condem-
natorisches und absolutorisches) Erkenntniß beantragt. Eventuali-
ter hat der Thor für sich Befreiung von der Beweislast und
Auflegung derselben an die Silesia verlangt. In fernerer Even-
tualität ist seitens der Silesia die Formulirung der Beweissätze
angesochten worden.
Das Reichs-Oberhandelsgericht gelangte bei der Prüfung der
die Hauptsache betreffenden Beschwerden der Parteien dahin, daß
im Wesentlichen der Eventualbschwerde des Thor zu entsprechen,
nämlich ihm die Beweislast abzunehmen und sie, der Silesia da-
hin aufzulegen sei, daß sie sich wegen ihres Verhaltens zu excul-
piren habe.
Das Handelsgericht ist in Betreff eines Theils der unter den
Parteien verhandelten Streitpunkte dem Thor beigetreten. Es hat
angenommen, erstens, daß es unbegründet sei, wenn die Silesia

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