Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

588 Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen.
das Abkommen mit der Assecuranz-Gesellschaft in der Weise treffen,
daß diese unter allen Umständen das Risico, welches in der
Ungewißheit lag, ob und wie die Waare beschädiget sei, über-
nahm und sich unbedingt verpflichtete, Ersatz zu leisten, sowohl
für den Minderwerth der Waare, als für die Kosten des Rück-
transports. Nur bei dieser Voraussetzung durften sie auf den
Wunsch der Assecuranz-Gesellschaft, die Waare zurück-
gehen zu lassen, ohne nähere Untersuchung eingehen.
In ihrer Oberberusung behaupten sie nun allerdings, es
habe das Abkommen dahin gelautet, daß die Versicherungsgesell-
schaft unter allen Umständen die Waare als eine beschä-
digte gelten lassen müsse und aus ihren ftüheren Behauptungen
läßt sich folgern, daß die Versicherungsgesellschaft sich auch zur
Tragung der Kosten des Rücktransports verpflichtet haben soll;
allein mit Recht läßt sich mit dem zweiten Richter geltend machen,
daß, auch vorausgesetzt, es sei ein solches Abkommen getroffen
worden, ein Mangel an Diligenz schon darin zu erblicken sein
würde, daß die Beklagten nicht für den Beweis desselben Sorge
trugen.
Ein Abkommen, welches nicht bewiesen werden kann, ist unter
Umständen gerade so werthlos, als wäre es nicht abgeschlossen
und wenn auch im kaufmännischen Verkehre in dieser Beziehung
strenge Anforderungen nicht gestellt werden und der Umstand, daß
sich Jemand mit mündlicher Zusage begnügte, nicht immer den
Vorwurf der Nachlässigkeit rechtfertigt, so hätte doch bei den
Umständen, wie sie hier Vorlagen, die Vorsicht erheischt, dem
Wunsche, welchen die Assecuranz-Gesellschaft nur in ihrem Interesse
:und gab, nicht zu entsprechen, bevor durch eine als Beweismittel
dienliche briefliche Mittheilung die Rechte der Committenten ge-
sichert gewesen wären.
Es mußten die Beklagten, welche hier selbstständig, ohne vor-
herige Anftage handelten, daran denken, daß im Falle, wo sich
die Waare als unbeschädigt ergäbe, Conflikte zu besorgen seien,
daß es aber nicht im Interesse ihrer Committenten liege, in einen
Prozeß verwickelt zu werden.
Sieht man aber hiervon ab, so ist auch auf die in Frage
stehende Behauptung deshalb kein Gewicht zu legen, weil sie erst

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