Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen. 587
Wenn Beklagte, um ihr Verfahren zu rechtfertigen, im Briefe
vom 20. September bemerken, bei der bedeutenden Verzögerung,
welche der Transport bereits erlitten, würde die Waare wahr-
scheinlich zu spät zur Saison in Neapel eingetroffen sein und den
Empfängern an derselben schwerlich noch viel gelegen haben; so
steht dies im Widerspruche mit ihrem Briefe vom 8. October,
worin sie es ganz unbedenklich finden, die Waare nunmehr, nach-
dem durch den Rücktransport eine weitere Verzögerung von etwa
5 Wochen eingetreten war von Hamburg aus nach Neapel zu
senden, und geben sie hiermit selbst zu erkennen, daß das Motiv,
welches sie früher anführten, nicht stichhaltig gewesen sei.
Offenbar hätte auch eine Verzögerung von etwa drei Wochen,
wie sie ohne den Ende August angeordneten Rücktransport einge-
treten wäre, im Hinblicke auf die in Mitte liegende Strandung
des Schiffes Willem III. kein Grund für den Adressaten sein
können, die Annahme der Waare zu verweigern, wenigstens mußten
die Beklagten dies voraussetzen. Nur die später weiter hinzu
tretende, viel bedeutendere, kulpose Verzögerung änderte die
Sachlage.
Die Beklagten fühlen es übrigens selbst, daß ihr Verfahren
an und für sich nicht sachentsprechend wäre und suchen es in ihrer
Oberberufung dadurch zu rechtfertigen, daß sie auf ein schon vor
dem Rücktransporte abgeschlossenes festes Abkommen mit der
Assecuranz-Gesellschaft Hinweisen, welches unter allen Umstän-
den Entschädigung für die Waare gesichert habe.
Es mag nun dahin gestellt bleiben, ob die Beklagten befugt
waren, eine Waare, welche möglicherweise ganz unbeschädigt
war, dem übernommenen Aufträge zuwider nicht an ihren Be-
stimmungsort gehen zu lassen, vielmehr eigenmächtig ein Abkommen
mit der Assecuranz-Gesellschaft abzuschließen, zufolge dessen an
Stelle der Lieferung an den Adressaten eine Entschädigung trat,
jedenfalls ist sicher, daß, wenn sie dies thaten, sie verpflichtet
waren, die größte Diligenz aufzuwenden, um ihre Committenten
völlig sicher und schadlos zu stellen. Dies ist nun nicht geschehn.
Da es den Beklagten bekannt war, daß eine weitere Ver-
zögerung der Lieferung den Werth der Waare in hohem Grade
mindern würde, so mußten sie vvr Anordnen des Rücktransports

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