Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen. 569
sogar übersteigen, während es freilich Vorkommen kann, daß
in Folge Ueberfüllung des Marktes am Bestimmungsorte, rück-
gängiger Conjuncturen oder verfehlter Speculationen, zu theuren
Einkaufes u. s. w. der Werth der Waaren am Bestimmungsorte
den Factura- oder Einkaufspreis bei Weitem nicht erreicht.
An und für sich kann man daher wohl annehmen, daß der
Werth einer Waare am Bestimmungsorte derselben mindestens
dem Factura- oder Einkaufs-Preise gleichkommt, wie denn auch
das H.-G.-B. in Art. 888 dem Versicherer gegenüber die Facturen
im Allgemeinen als genügende Belege der Schadensberechnung
anerkennt. Hiernach würde die Feststellung des Werthes der hier
fraglichen Waaren in New-Iork auf den Betrag der Facturen,
falls Kläger diesen Werth beschwören sollte, an und für sich um
so unbedenklicher sein, als die Beklagten gar nicht bestritten haben,
daß die Waaren zu den facturirten Preisen eingekauft seien.
Nichtsdestoweniger hat dieser vom Handelsgerichte eingeschlagene
Weg zur Berechnung des Schadens im vorliegenden Falle
erhebliche Bedenken gegen sich und erscheint es den Umständen
nach als durchaus gerechtfertigt, wenn das Obergericht dem Kläger
eine anderweitige Liquidation des Schadens aufgegeben hat.
Daß die Waaren, bevor sie nach Hamburg zurückgesandt wurden,
in New-Iork noch keinen Käufer gesunden hatten, steht dem offen-
bar nicht entgegen und ebenso unerheblich ist die Behauptung des
Klägers, daß sie dort keinen bestimmten Marktpreis besitzen, wel-
cher letztere Umstand die Liquidirung des Werthes höchstens
schwieriger machen würde. Auch ist es eine unbegründete Behaup-
tung des Klägers, daß der Werth der Waaren in New - Dort
überhaupt nicht nachweisbar sei, denn daraus, daß die Waaren
sich zur Zeit in Hamburg und noch im Besitze der Beklagten
befinden, folgt dies keineswegs, da die zur Feststellung des New-
Aorker Werths etwa erforderlich werdende Uebersendung von
Proben der Waaren nach New-Aork sich ohne allzugroße Kosten-
und Zeitaufwand bewerkstelligen und die dazu nöthige Mitwirkung
der Beklagten sich durch ein geeignetes Präjudiz erzwingen lassen
würde. Diejenigen Sachverständigen, welche den Werth der hier
fraglichen Waaren in New-Aork überhaupt zu bestimmen vermögen,
werden auch angeben können, ob dieselben etwa zur Zeit der Rück-

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