Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

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Königreich Bayern. Art. 355, 357.

Ein solcher Evictionssall liegt aber hier nicht vor.
Dermalen handelt es sich lediglich um einen Entschädigungs-
anspruch gegen die Klägerin, gegründet auf einen durch eine ver-
tragswidrige Handlung derselben den Beklagten zugefügten Schaden.
Um einen solchen Anspruch geltend machen zu können, bedarf
es keines vorgängigen Processes mit einem Dritten; die Klägerin
haftet den Beklagten aus der Unterlassung rechtzeitiger Vertrags-
erfüllung, und den Letzteren liegt nur ob, darzuthun, daß in Folge
der verspäteten Lieferung ihnen ein Schaden und in welcher Größe
zugegangen sei. Besteht dieser Schaden darin, daß Beklagte durch
die Vertragsbrüchigkeit der Klägerin außer Stand gesetzt wurden,
die mit Rücksicht auf die der Letzteren obliegende Leistung einem
Dritten gegenüber eingegangene Verbindlichkeit rechtzeitig zu er-
füllen, und daß dieselben in Folge dessen diesem Dritten für den
ihm aus der Verzögerung erwachsenen Schaden haftbar geworden
sind, so ist es eben Sache der Beklagten, diese Folge der kläge-
rischen Vertragsbrüchigkeit, den dem Dritten zugegangenen Schaden
und die für sie aus dem Vertrage mit demselben hervorgehende
Verbindlichkeit zum Ersätze desselben, bezw. die bereits aus ihrem
Vermögen erfolgte Ersatzleistung zu behaupten und nachzuweisen.
Hieraus ergiebt sich nun allerdings, daß die Thatsache eines
zwischen den Beklagten und dem Dritten abgeschlossenen gütlichen
Uebereinkommens oder Vergleiches über die dem Letzteren von
Ersteren zu leistende Entschädigungssumme und die erfolgte Zahlung
des festgesetzten Betrages für sich allein noch keineswegs zur
Begründung eines gleich großen Entschädigungsanspruches der Be-
klagten an die Klägerin genügt. Denn die Klägerin ist den
Beklagten nur zum Ersätze des aus ihrer Lieferungsver-
zögerung den Letzteren erwachsenen Schadens, nicht aber über-
haupt zum Ersätze jener Summe verpstichtet, zu deren Zahlung
an den Dritten behufs Befriedigung desselben mit seinen Ent-
schädigungsansprüchen aus einem mit den Beklagten selbstständig
abgeschlossenen Vertrage sich diese im Wege gegenseitigen Ueber-
kommens ohne vorgängige richterliche Feststellung der Entschädig-
ungsforderung und ohne Mitwirkung der Klägerin verstanden
haben.
Eine Verpstichtung der Klägerin zum Ersätze der letzteren

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