Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 25 (1872))

526 Entscheidungen deS R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen.
lichen Gesetzbuchs*) unvereinbare Tendenz der Klage zu deren
Abweisung geführt worden ist.
In jetziger Instanz ist man, ohne die in der Sache liegenden
von zweiter Instanz hervorgehobenen Zweifel zu verkennen, der
Ansicht erster Instanz den Vorzug zu geben, hauptsächlich durch
die Erwägung bestimmt worden, daß sie der aus ihren eigenen
Angaben abzunehmenden Auffassung der Parteien und dem wirk-
lichen Sachverhalte entsprechend erscheint.
Nicht blos in der Klage selbst wird das bei jener Zusam-
menkunft abgeschlossene Geschäft ausdrücklich als Kaufvertrag be-
zeichnet, auch Beklagter hat sich wiederholt derselben Bezeichnung
bedient (vgl. Anmerkung zu Klagabschnitt 14, 61, 86, 100) und
conform damit in seiner Darstellung des Sachverhalts Bl. 35d ff.
noch besonders hervorgehoben, daß Kläger vor der Abreise
der vom Beklagten mit dem Einkäufe von Fellen auf der
Nischny-Nowgoroder Messe beauftragten Geschäftsgehülsen bei zu-
fälliger Anwesenheit in dem Geschästslocale des Beklagten zwar
beiläufig geäußert habe, „wenn sich in Nischny-Nowgorod Gelegen-
heit zum Ankäufe von Salzfellen biete, möge man an ihn denken,
er werde vielleicht für eine Parthie Salzselle Abnehmer fern7'
daß aber ein Auftrag zum Einkäufe weder von Klägern dem Be-
klagten ertheilt, noch von dem Beklagten oder den genannten
Personen angenommen worden sei, weil Beklagter Aufträge
zum Einkäufe von Maaren für fremde Rechnung über-
haupt nicht annehme."
Wenn nun in Anknüpfung an die vorerwähnte Besprechung
später, wie Beklagter einräumet, ein im Wesentlichen mit den
Angaben Klägers übereinstimmender Vertrag wegen Ueberlassung
von 2900 Stück der eingekauften Felle unter den Parteien zu
Stande gekommen, ist, so ist nicht abzusehen, wie Beklagter, ohne
mit seinen eigenen Behauptungen in Betreff der vorausgegangenen
Verhandlungen in Widerspruch zu treten, berechtigt sein solle, aus

*) Anm. Der § 761 des Sachs. B.-G.-B. lautet: „Die Klage auf Er-
füllung einer Forderung geht auf den eigentlichen Gegenstand der Forderung,
selbst wenn diese auf eine persönliche, in einem Thun bestehende Leistung
gerichtet ist. Auf Schadenersatz kann nur unter den Voraussetzungen geklagt
werden, welche einen Anspruch darauf besonders begründen.

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