Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen. 459
zicht aus die Chancen einer bei der Ankunft des Schiffes im Ab-
ladehafen dort zu erreichenden höheren Fracht, zu schätzen und
so im Voraus eine lohnende Fracht zu sichern. Ebenso kann
es auch in seinem Interesse liegen, sein Schiff so zu verchartern,
daß es zwar auch aus der Ausreise Ladung für den Befrachter
mitzunehmen hat, die Fracht jedoch erst nach Ablieferung der
Rückladung zahlbar und nach der Größe der Rückladung zu berech-
nen sein soll. Hat aber der Verfrachter, wie es hier geschehen
ist, einen Contract der letzteren Art abgeschlossen, so beweist dies
eben, daß es an der Gelegenheit, auch eine ausgehende Ladung
für solche Reisen zu erhalten, an sich nicht fehlte. Es bliebe
indeß denkbar, daß die dafür zu erreichende Fracht so geringfügig
gewesen wäre, daß der Verfrachter sich zur unentgeldlichen Beför-
derung deshalb verstand, um doch wenigstens die Kosten des bei
einer leeren Zureise einzunehmenden Ballastes zu ersparen.
Im vorliegenden Falle ist dem aber nicht so, denn das
Schiff hat, um die ausgehende Ladung einzunehmen, vorab schon
eine Zureise in Ballast von London nach Grimsby machen
müssen. Der Kläger hat sich also an sich lediglich im Interesse
der Beklagten zur Beförderung von Gütern auch auf der
Ausreise verpflichtet, mithin eine Leistung übernommen, für welche
er, wenn fie den einzigen Gegenstand des Vertrages bildete,
an sich eine angemessene Vergütung zu fordern, die Beklagten aber
eine solche zu bezahlen gehabt haben würden. Eine unentgeld-
l i ch e Uebernahme dieser Leistung würde daher nur dann erklär-
lich und auch im Interesse des Verfrachters sein, wenn mit
Rücksicht darauf die Fracht für die Rückreise unverhältniß-
mäßig hoch normirt worden wäre, sodaß die Aussicht auf den
dadurch herbeigeführten ungewöhnlich hohen Verdienst das Aequi-
valent für die Eingehung eines solchen, an sich unnatürlichen und
dem Interesse des Verfrachters zuwiderlaufenden, Vertrages bilden
konnte. Daß dies aber hier der Fall gewesen sei, ist von den
Beklagten, die nur geltend machen, daß Kläger den Vortheil einer
ihm gesicherten, festen Rückfracht gehabt habe, gar nicht
behauptet worden und läßt sich auch a priori für die gewöhn-
lichen Fälle, aus welche doch solche gedruckte Klauseln der Charte-
partien berechnet find, gewiß nicht annehmen.

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