Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 25 (1872))

Entscheidungen des R.-O.-H.-G. in Handels- u. Wechselsachen. 449
zu ändern, ist aber dem Kläger gar keine Gelegenheit gegeben ge-
wesen. Beklagter hat ihnen während des Jahres 1863 allviertel-
jährlich, in den Jahren 1864 und 1865 aber allhalbjährlich
Abrechnungen zugestellt unter der Bezeichnung „Reiseconto von
Heynig" in welchem die eincassirten Gelder speziell im Debet, die
Reisespesen und die betreffenden Gehaltsraten aber im Credit (in
Totalsummen) aufgeführt find und welche mit einem, im Lause der
Vertragszeit immer höher steigenden Saldo zu Gunsten der Kläger
abschließen. Kläger haben dieselben — bis mit Ende 1864 ist
dies eingeräumt — regelmäßig mit der Erklärung beantwortet,
daß sie die Abrechnung richtig befunden und Beklagten mit dem
berechneten Saldo von rc. belastet hätten; nach kaufmännischem
Gebrauch war sonach damit die Sache bis auf etwaige Uebersehen
oder Jrrthümer in der Rechnung geordnet. In den gedachten
Abrechnungen sind nun die qu. Spesen, wie schon gedacht, in
Folie mitberechnet und zwar, soweit sich ohne genauere Angaben
der wirklichen Reisetage (die blos in der Abrechnung pro IV.
Quartal 1863 sub E. und in der pro 1. Decbr. 1865 8ud 8.
specisicirt sind) übersehen läßt, nach ungefährer Höhe von 61/*
Thlr. pro Tag, auch giebt Beklagter selbst zu, daß die berechneten
Spesen diesem Satze ziemlich entsprechen. Erst in der Rechnung
pro 1. Semester 1865 ist ein Betrag berechnet, der den Satz
von 8 Thlr. pro Tag übersteigt; ein Anerkenntniß dieser Ab-
rechnung Seiten der Kläger ist aus den Acten nicht liquid,
andererseits jedoch auch gegen die hierunter berechneten Beträge
keine Ausstellung erhoben. Kläger waren hiernach zu der Annahme
berechtigt, daß Beklagter den Versuch, mit 6x/2 Thlr. pro Tag
auszukommen, mit Erfolg gemacht, keinesfalls ein Mehreres, als
er in den Abrechnungen als wirklich verausgabt verschrieben, auf-
gewendet habe, sie konnten unter solchen Umständen nicht erwarten,
am Schlüsse der Dienstzeit des Beklagten von diesem noch nach-
träglich eine Mehrsorderung von circa 2000 Thlr. — erhoben
zu sehen, die in dem abgeschlossenen Vertrage keine rechtliche Basis
fand, und gegen deren Entstehung sie sich zu wahren, nach Lage
der Sache und dem ganzen Verhalten des Beklagten gar nicht
veranlaßt gewesen waren. Daß Beklagter den angeblichen Mehr-
aufwand in den Abrechnungen zu berechnen vergessen oder irr-
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XXV. 29

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