Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Bez. d. O.-A.-G. zu Lübeck, m. 57.

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Vgl. auch Anschütz u. v. Bölderndorsf zu Art. 57, S. 425.
Koch, zu Art. 57. (Note 91.)
mithin den Beklagten obliegt darzuthun, daß Kläger von
Ostern 1870 an nur als Volontär bei ihnen gearbeitet habe;
und ihnen überlassen bleiben muß, diesen Beweis in direkter
Weise oder durch concludente Thatsachen zu erbringen;
auch der Werth des klägerischerseits beigebrachten Zeugnisses
im Beweisverfahren sich zu finden hat;
daß Beklagte den Beweis anzutreten schuldig:
daß Kläger seit Ostern 1870 als Volontär in ihrem Ge-
schäfte Dienste geleistet habe
wegen der Höhe der im Falle des Mißlingens solchen
Beweises dem Kläger zuzusprechenden Vergütung bleiben
eventualiter beiden Parteien Gerechtsame reservirt.
Die Beklagten haben gegen dieses Erkenntniß Restitution
eingelegt. In ihrem Restitutionsgesuche tragen dieselben darauf
an, daß ihnen anstatt des injungirten Beweises der Beweis nach-
gelassen werde:
daß dem Kläger unter Beibehaltung seiner bisherigen Lehr-
lingsarbeiten gestattet worden, bis aus Weiteres in ihrem
Geschäfte zu verbleiben.
Das Handelsgericht 1. Abtheilnng hat am 9. März 1871
das vorstehende Erkenntniß mit folgenden Gründen bestätigt:
da die Arbeiten eines Handlungslehrlings nicht der Art
von denjenigen eines Handlungsgehülsen verschieden sind, daß
aus den dem Kläger nach Beendigung seiner Lehrzeit von den
Beklagten zugewiesenen Arbeiten entnommen werden könnte, ob
Kläger in seiner Stellung als Lehrling verblieb oder Handlungs-
gehülse wurde;
somit in dem Beweissatz, wie ihn Beklagte ihrer Beschwerde
zufolge sormulirt wissen wollen, die Aenderung eintreten müßte,
daß anstatt des Wortes: „Lehrlingsarbeiten" das Wort „Lehr-
lingsstellung" gesetzt würde, alsdann aber dieser Beweissatz ganz
dasselbe bedeuten würde wie der in dem angefochtenen Erkenntniß
formulirte, indem auch nach dem letzteren es lediglich darauf an-
kommt, ob Kläger nach seiner Lehrzeit ein Salair erhalten sollte.
M.

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