Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Großherzogthum Baden. Art. 380, 563, 579, 580. 355
wodurch sich im Vergleich zu der für ein Segelschiff bedungenen
Fracht eine Mehrfracht von 118 fl. 51 kr. u. 8 fl. Verladungs-
kosten ergaben. Sie glaubt, hierbei im Interesse des Beklagten
gehandelt zu haben, weil die Schifffahrt nach der Ostsee wegen
der vorgerückten Jahreszeit geschlossen und der „Thor" das letzte
dahin ausgegangene Segelschiff gewesen sei.
Die beiden Ansätze sind an sich nicht bestritten und daß es
in der That nicht möglich war, die erwähnten 273 Centner Eisen
noch mittelst Segelschiffes nach Stettin zu befördern, ist in Anbe-
tracht, daß die Sendung erst im November 1868 in Rotterdam
eintras, um so mehr anzunehmen, als die Klägerin andernfalls
sich einer Arglist oder einer groben Nachlässigkeit schuldig gemacht
haben würde, zu deren Unterstellung es an jedem Anhaltspunkte
mangelt und welche der Beklagte selbst nicht mit Bestimmheit zu
behaupten vermochte.
Auf die briefliche Anzeige der Klägerin vom 12. November
1868, sie habe Aussicht, die zurückgewiesenen ca. 273 Centner
Eisen mittelst eines Dampsbootes zu befördern, was indessen ohne
eine Frachtdisierenz von ca. 3—4 fl. per Last nicht abgehen werde,
antwortete zwar der Beklagte am 16. November, eine Trennung
der Sendung sei nicht im Sinne der Verlader und er verwahre
sich gegen die Mehrfracht. Allein bei der Dringlichkeit der Sache
mußte sich die Klägerin zu einem raschen Handeln entschließen.
Es spricht deßhalb alle Vermuthung dafür, daß sie bei Empfang
des Schreibens vom 16. November bereits die ca. 273 Centner
Eisen in das Dampsboot verladen hatte und eine Zurücknahme
derselben mithin nicht mehr thunlich war. Wäre dies nicht der
Fall gewesen, so hätte die Klägerin eine weitere Arglist begangen,
zu deren Unterstellung hier nicht der geringste Anhaltspunkt gegeben
und welche von dem Beklagtelt ebenso wenig bestimmt behauptet
worden ist.
Wollte der Beklagte daher jenes Eisen nicht mittelst Dampf-
bootes gegen Zahlung einer höheren Fracht befördert haben, so
mußte er die Klägerin sofort hievon in Kenntniß setzen.
Aus dem angeführten Inhalt seines Schreibens vom 16. No-
vember, in Verbindung mit seiner Vertheidigung in diesem Rechts-
streit geht übrigens hervor, daß er die auf die Mehrfracht und
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