Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

30 Königreich Bayern. Art. 347, 10, 28, 288, 291, 319.
andern in laufender! Rechnung (Contokorrent) steht, in Ermangel-
ung anderneitiger Verabredung jährlich einmal Rechnungsabschluß
zu Pflegen, und wenn auf Mittheilung des dabei gewonnenen Re-
sultates der andere Theil in entsprechender Zeit eine Erinnerung
nicht erhebt, so muß wohl angenommen werden, daß der gegen-
theilige Abschluß mit den eigenen Büchern als übereinstimmend
befunden und genehmigt wurde, weil der Rechnungsabschluß eben
die Klarstellung der beiderseitigen Beziehungen bezweckt und an-
dernfalls eine sichere und ordnungsmäßige Fortführung der Ge-
schäfte nicht Möglich wäre.
Allein in Art. 291 ist blos von solchen Kaufleuten die Rede, von
welchen jeder zur Führung kaufmännischer Bücher gemäß Art. 28
des H.-G.-B. verpflichtet ist, und lediglich zwischen solchen kann
ein Contokorretttverhältniß im Sinne des Art. 291 bestehen, weil
dieses regelrechte Geschäftsbuchung aus beiden Seiten voraussetzt.
Nur bei einem solchen Verhältnisse erscheint auch der Empfänger
eines Buchsauszuges verpflichtet, diesen zur Ausrechthaltung der
Ordnung in seinen eigenen Büchern alsbald zu prüfen und Vor-
gefundene Differenzen dem Geschäftsfreunde mitzutheilen. Hier
aber ist der Beklagte ein gewöhnlicher Schiffer, welcher nur neben-
bei auch mit einzelnen Frachtgegenständen Handel treibt. Derselbe
hat als solcher gemäß Art. 10 des H.-G.-B. Handelsbücher nicht
zu führen und führt wohl auch dergleichen nicht. Wenn ttün
einem Geschäftsmanne dieser Art ein kaufmännischer Buchsauszug
zukommt, so würde es zu weit gehen, aus seinem Stillschweigen
daraus eine unbedingte Genehmigung desselben ableiten zü wollen.
Eine solche Folgerung würde ohne das Dazwischentreten anderer
Umstände einem Privatmaune gegenüber zweifellos ungerechtfertigt
sein, weil in der Regel Niemand den andern zu einer Erklärung
zwingen und deßhalb aus deren Unterlassung eine nachtheilige
Folgerung für den Stillschweigenden nicht gezogen werden kann.
In seinen Beziehungen zum Kläger kann dem Beklagten eine
weiter gehende Verpflichtung ebenfalls nicht zugemuthet werden,
und würde die Annahme einer Genehmigung des Buchsausznges
um so beschwerender für ihn sein, als er zufolge seines Geschäftes
den größten Theil des Jahres vom Hause abwesend sein muß,
ein Anhaltspunkt dafür, wann ihm die Prüfung der gegnerischen

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