Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Gesetzliche Zinsen sind Lei allen Fungibilien sowohl nach der Natur rc, 123
denn allerdings versteht man unter landüblichem Zinsfuß nur die
mittlere Zinshöhe der sicher und mübelos verliehenen Geldkapi-
talien; s. Roscher System der Volkswirthschaft I. S. 374. Bei
andern Fuugibilien hat der Verkehr solche landüblichen Zinsen
noch nicht aufgestellt. Man kann also eigentlich nicht sagen, daß
der Beklagte verpflichtet ist, landesübliche Zinsen von den von
dem Kläger entbehrten Fungibilien (außer Geld) für die Zeit der
Entziehung zu zahlen, sondern nur, daß er verpflichtet ist, Frucht-
zinsen im Betrage der landesüblichen Zinsen des mittleren Kauf-
preises der entzogenen Fungibilien zu zahlen. Es liegt also darin
ein Unterschied der gesetzlichen Zinsen von andern Fungibilien als
Geld, daß die gesetzlichen Geldzinsen meist gleich den landesüb-
lichen Geldzinsen sind, die gesetzlichen Zinsen anderer Fungibilien
aber nicht gleich den landesüblichen Zinsen dieser Fungiblien, da
es diese nicht giebt, sondern gleich den landesüblichen Geldzinsen
eines entsprechenden Geldkapitals.
Was die positiven Gesetze und zunächst das römische Recht
betrifft, so glaube ich, daß es nicht nur gesetzliche Zinsen bei allen
Fungibilien zuläßt, sondern, daß auch Manches sich dafür ansühren
läßt, daß es bei ihnen von vorstehenden Grundlagen ausgeht.
I. Bei der Allgemeinheit, mit welcher die Stellen des römi-
schen Rechts, welche auf gesetzliche Zinsen bei allen Fungibilien
bezogen werden dürften, sich ausdrücken, ist ihre Auslegung nicht
unbestritten geblieben. Geht man indessen davon aus, daß im
Begriff der Zinsen nichts liegt, was sie auf Geldschulden beschränkt
und enthält auch der Begriff der gesetzlichen Zinsen nicht ein solches
von dem allgemeinen Begriff der Zinsen abweichendes Moment,
so müste man jedenfalls erfordern, daß eine Gesetzgebung aus-
drückliche Dispositionen trifft, um die Anwendung der gesetzlichen
Zinsen auf Geldkapitalien zu beschränken. Das römische Recht
thut dies meines Wissens nun nicht. Dig. 22. I. 1. 32 § 2 1.43;
31 de leg. II. 1. 87 § 1, cod. 6. 47 de usur. et fruct, cst. 1. 2.
Zudem spricht auch noch Dig. 5. 3. de H. P. 1. 51, § 1 die
gesetzliche Zinsverbindlichkeit bei allen Fungibilien aus, eine Stelle,
welche offenbar nichts enthält, welches zu der Erklärung v. Savig-
ny's berechtigte, der Erbe habe die Früchte verkauft und so die
Schuld in eine Geldschuld verwandelt.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer