Full text: Volume (Bd. 25 (1872))

Königreich Bayern. Art. 343, 347 , 348. 7
halb die Appellantin, ihr Verfahren damit zu entschuldigen, daß
die Klägerin die betreffende Handlung selbst veranlaßt habe,
weil sie nicht nach Bestellung lieferte, nicht rechtzeitig über die
Waare verfügte und die Verklagte nicht schadlos hielt; allein ob
die Klägerin vertragsgemäß lieferte, ist ja gerade streitig und
demzufolge die Verklagte verpflichtet gewesen, die beanstan-
dete Waare einstweilen aufzubewahren oder, wie sie auch gethan,
auf ein öffentliches Lager zu geben.
Ob die Klägerin sodann die Waare dort lagern ließ oder
nicht, berührte die Verklagte um so weniger, als, wenn ihre Be-
anstandung gegründet war, sie nicht für dieselbe auszukommen
hatte; ja Klägerin konnte überhaupt nur unter der Voraussetzung
über die Waare verfügen, daß sie die Beanstandung der Ver-
klagten anerkannte, weil in der Verfügung über die Waare von
Seite der Klägerin jedenfalls ein stillschweigendes Anerkenntniß
der Beanstandung gelegen gewesen wäre.
Eine Schadloshaltung für einen durch Nichterfüllung ent-
gangenen Gewinn konnte aber Verklagte nur dann ansprechen,
wenn die Beanstandung der gelieferten Waare begrün-
det erschiene und Klägerin trotz der ihr gemachten Anzeige,
daß, wenn nicht binnen angemessener Frist probemäßige Waare
geliefert werde, Verklagte Schadensersatz wegen Nichterfüllung
begehren würde, vertragsmäßige Waare nicht geliefert hätte. Die
vertragswidrige Beschaffenheit der gelieferten Waare bildet mithin
auch die Grundlage des Entschädigungsanspruches wegen Nicht-
lieferung; so lange daher erstere von der Klägerin nicht anerkannt
war, erschien auch der Entschädigungsanspruch durchaus illiquid,
eine Befriedigung desselben aber durch Verkauf und beziehungs-
weise Ansichnahme eines Theiles der beanstandeten Waare als .
ein eigenmächtiger Eingriff in fremdes Eigenthum.
Es läßt sich diese Eigenmacht auch nicht damit beschönigen,
daß Verklagte für Fracht, Lager- und Zollgelder Auslagen hatte,
zu deren Deckung Klägerin nicht zu vermögen war; denn auch
der Ersatz dieser Auslage war nur dadurch zu begründen, daß
Klägerin deren Aufwand durch vertragswidrig gelieferte Waare
veranlaßt habe. Allerdings mag es der Verklagten wohlfeiler und
praktischer geschienen haben, mit Umgehung richterlicher Hilfe durch

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