Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

66 Bezirk deS A.-G. zu Zweibrücken. Art. 409. 410. 306. 313 re.
gegenüber völlig unerheblichen Beweis erkannt. Daß Schlumberger
u. Co. die Waare gekauft und daß die Waare an sie zu liefern
war, daß sie dadurch Eigenthümer der Waare geworden sind, ist
für die heutige Frage gleichgültig, da gegenüber dem Retentions-
recht das Connossement und die durch die Verfügungen der Desti-
natare gegebenen rechtlichen Gesichtspunkte ganz allein entscheiden.
Da die Zahlung der Nachnahme verweigert wird, mußte der erste
Richter die Klage ohne Weiteres als grundlos abweisen.
Schließlich erbot sich Garantiebeklagte noch zum Beweise, daß
nach holländischem Rechte die Nachnahme selbst von dem Eigen-
thümer der Baumwolle geschuldet wird.
Für die Klägerin, Firma Schlumberger u. Co. wurde Fol-
gendes erwiedert:
Was die Statthaftigkeit der Klage betrifft, so behauptet Klä-
gerin, mir steht das Eigenthum der Waare zu; diese Waare ist
von dem Versender, Stucken, an mich abgeschickt, ist nach der
Ordre der Brass und Eckert für mich bestimmt. Deßhalb verlange
ich die Herausgabe und zwar gerichtlich, weil ich gütlich nicht dazu
gelangen konnte. Ich belange die niederländische Rhederei, die sich
heute noch im Besitze der Waare befindet und nicht berechtigt war,
der wirklichen Destinatarin, der Firma Schlumberger, der sie von
Brass und Eckert die Weisung erhalten hatte, die Waare zu be-
händigen, die Herausgabe zu verweigern. Die Aufstellung, die
Rhederei sei nicht Besitzerin der in dem öffentlichen Lagerhause
des Hauptzollamtes gelagerten Waare hat keinen Halt; denn die
Rhederei ist allein befugt, über die Baumwolle zu verfügen; ohne
ihre Ordre wird kein Ballen ausgeliefert und es ist gerade so,
als ob die Waare in ihrem eigenen oder in einem von ihr ge-
mietheten Magazine läge. Die Betrachtung, der Frachtführer setzt
nur den Besitz des Versenders fort, ist unerheblich, da der Eigen-
thümer auch dem Detentor gegenüber vindicirt. Ubi rem raeam
venio ibi vindico.
Wie man auch die vielbestrittene Frage, für wen der Spe-
diteur, der ja niemals in eigenem Namen besitzt, den juristischen
Besitz ausübt, entscheidet, immer bleibt es klar, wie unhaltbar die
Aufstellung ist, die Klage aus Herausgabe der Baumwolle hätte
gegen deren juristischen Besitz gerichtet werden sollen. Immer

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