Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

Bezirk des H.-A.-G. zu Nürnberg. Art. 421, 272, Nr. 3. 39
amt München telegraphisch ersucht, dieses Colli an seine Adresse
nicht auszuhändigen.
Das Telegramm kam am nämlichen Tage Mittags 12 Uhr
50 Minuten in München an, nichtsdestoweniger wurde aber das
betreffende Colli dem Kasimir Würth am 22. August 1867 durch
die Post übergeben.
Ein außergerichtlicher und gerichtlicher Versuch des Goldberg,
von Würth das Colli zurückzuerhalten, blieb erfolglos, letzterer
wegen inzwischen eingetretener Verhängung des Universalconcurses
über das Vermögen Goldberg's.
Hieraus wandte sich das Hamburger Haus gegen den Fiscus
der bahr. Verkehrsanstalten um entsprechende Schadloshaltung auf
Grund des bezügl. der Uebergabe des Gutes stattgehabten nach-
lässigen Verfahrens, allein der also Verklagte bestritt die ihm zur
Last gelegte Haftungsverbindlichkeit, weil das betreffende Telegramm
in die Hände des damals bei dem Bahnhofdienste in München
verwendeten Amtsgehilfen L. gekommen, hier verloren gegangen
und dem Oberpostamte nicht zugestellt worden sei, so daß gerade
wegen des auf diese Weise eingetretenen Verlustes der
Depesche nach der einschlägigen Bestimmung der Telegraphenord-
nung ein Rückgriff gegen den Fiscus nicht genommen werden
könne.
Das Handelsgericht schloß sich der Anschaunng des Beklagten
an und entband hiernach denselben von der erhobenen Klage;
das Handelsappellationsgericht änderte jedoch mit Erkenntniß vom
22. Juni 1868 den erstrichterlichen Ausspruch dahin ab, daß der
beklagte Fiscus schuldig sei, den dem klagenden Hause durch Aus-
händigung des Colli K. N. K. Nr. 365 an Kasimir Würth in
München zugefügten Schaden vorbehaltlich dießfallsiger Liquidation
zu ersetzen. In den Gründen vazu ist Folgendes hervorgehoben:
Zu den Handelsgeschäften gehört nach Art. 272 Nr. 3 des
a. d. H.-G.-Bs. auch das Transportgeschäft, dessen Zweck in der
Verschaffung von Sachen oder Personen an einen anderen Ort
besteht. Von der einen Seite wird die Ausführung einer Arbeit,
hier des Transportes, von der anderen Seite die Leistung eines
entsprechenden Honorars versprochen. In Ausführung der über-
nounnenen Arbeit muß äußerste Sorgfalt gewährt werden, und

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