Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

354 Großherzogthum Baden. Art. 384. 478.
die Thätigkeit der Kläger nicht blos als Spediteure, sondern als
Transportunternehmer in Anspruch, die Kläger gingen hierauf
ohne Vorbehalt ein und einigten sich mit den Beklagten über be-
stimmte Sätze der Transportkosten. Die Bedeutung dieser Einig-
ung wird namentlich dadurch augenfällig, daß sie längere Zeit vor
dem Zeitpunkte erfolgte, da den Klägern die Erlangung eines
Schiffes nach Biblao gelang. Es erscheint deshalb der vereinbarte
Frachtsatz als eine Bauschsumme der Transportkosten, welche voll
Seiten der Kläger ohne alle Rücksicht auf die Ansprüche bestimmter
Schiffer lediglich unter dem Gesichtspunkte und in der Erwartung
an die Beklagten verlangt wurde, daß mit diesem Frachtsätze das
von ihnen übernommene Transportgeschäft einen genügenden
Gewinn für sie abwerfen werde. Selbstverständlich traten damit
die Kläger auch in alle Verbindlichkeiten ein, welche sonst nur dem
Frachtführer gegenüber dem Versender obliegen und haften sie
namentlich für jedes Versehen, jede Pflichtverletzung des Schissers.
Der Einwand, Art. 384 gelte nicht vom Seetransport, ist grund-
los, denn diese Gesetzesstelle enthält keine Ausnahmsbestimmung,
welche nach ihrer Natur nur aus den Transport zu Lande oder
auf Binnengewässern Anwendung finden könnte, vielmehr ist sie
gegründet auf den vermuthbaren Willen der Betheiligten, dem im
Seeverkehr keineswegs engere Grenzen gezogen werden wollten,
wie dies auch Art. 379 durch Benennung des Schissers neben
dem Frachtführer darthut.
„Darum bleibt nur noch die Frage zu beantworten, ob dem
Schiffer darum ein Versehen zur Last falle, daß er direct nach
Bilbao, statt über einen Quarantainehasen nach Bilbao gefahren
ist. Die Kläger wie auch Capitän Notmaher wußten, daß die
spanischen Behörden hinsichtlich der Schiffe und Ladungen aus
dem Rotterdamer Hasen gesundheitspolizeiliche Maßregeln ergriffen,
besonders Quarantainevorschriften erlassen hatten. Es erhellt dies
aus dem Schreiben der Kläger, „daß sie wegen der Choleraqua-
rantaine in Vigo noch keinen Capitän haben erhalten können" und
geht die Kenntniß des Schiffers aus dem Umstande hervor, daß
er in Rotterdam einen Gesundheitspaß sich verschafft haben will,
und, weil er der Wirksamkeit desselben nicht vertrante, in Fal-
mouth anlegte und einen zweiten Paß erhob. Gleichwohl wurde

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