Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

Großherzogthum Baden. Art. 272, 1. 283. 356. 315
Zahlung des restlichen Kaufpreises bewilligen würden. Zieht man
jedoch den maßgebenden Brief des Klägers vom 2. Novbr., sowie
die Erwiderung der Beklagten vom gleichen Tage und die Rück-
antwort des Klägers vom 3. November 1868 in Betracht, so kann
es einem gegründeten Zweifel nicht unterliegen, daß der Verzicht
des Klägers aus seine Entschädigungsansprüche ein unbedingter ge-
wesen ist. In dem erstgenannten Briefe bezog sich der Kläger
zwar ans eine vorausgegangene mündliche Besprechung mit Carl
Strecker, allein, obgleich wissend, daß dieser die Gutheißung seines
Bruders Vorbehalten hatte, und ohne etwas Entscheidendes davon
abhängig zu machen, gab er die Erklärung ab, daß er hiermit
seine Ansprüche aus Vergütung wegen verspäteter Ablieferung des
Schisses aufgebe und knüpfte nur die Hoffnung daran, daß die
Beklagten auch Alles thun und jedes Entgegenkommen zeigen wür-
den, um ihm doch, wo nur möglich, Ersparnisse und Erleichter-
ungen zu bieten. Hätte diese Erklärung unter einem Vorbehalte
abgegeben gelten sollen, so hätte Kläger diesem Gedanken doch
sicherlich Ausdruck gegeben, da er sogar, wiewohl eher sich von
selbst verstehend, genaue Rechnungsprüfung sich Vorbehalten hatte.
Die Beklagten glaubten nach ihrem Briese vom 3. Novbr. 1868
dem vom Kläger erwarteten Entgegenkommen, namentlich in Er-
leichterung der Zahlung, genügend Rechnung getragen zu haben,
wenn sie, statt Baarzahlung zu beanspruchen, sich mit kleinen
Wechseln aus Nebenplätze, die sie, weil mit Jncassospesen und
Zinsverlust verbunden, in einem früheren Briefe (vom 2. Juli
1868) sich ausdrücklich verbeten hatten, begnügten. Sie verlangten
aber, daß ihnen die Wechsel vor Uebernahme des Schiffes zur
Saldirnng behändigt würden. Wenn nun der Kläger hierauf den
Brief vom 3. November 1868 schrieb, so erhellt aus demselben,
daß der Kläger über das von den Beklagten eingehaltene Ver-
fahren ungehalten war, daß er denselben Mangel an Billigkeit
und Coulance vorwars, daß er erklärte, sich die Pistole auf die
Brust gesetzt zu sehen und in Gottes Namen der höchst unbilligen
Forderung der Beklagten sich fügen zu müssen, mit keiner Silbe
ist aber erwähnt, daß nunmehr auch seine Verzichtserklärung vom
Tage vorher ihre Bedeutung verloren habe und seine Ansprüche
an die Beklagten wieder in Kraft träten, obgleich er es nicht unter-

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