Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

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Königreich Sachsen.

gewiesen, weil der Kläger, dem Beklagten gegenüber, lediglich die
Stelle eines bei dem Niederlegungsgeschäfte völlig unbeteiligten
Dritten einnimmt, und weil durch die blose Anweisung, die Wolle
zu Klägers Verfügung zu halten, dieser ein von dem Willen Feld-
manns unabhängiges Dispositionsrecht nicht erlangt hat. Die
2. Instanz bestätigte dieses unterm 14. Mai 1869, ebenso, wie
die 3. Instanz in dem oben angezogenen Erkenntnisse. Aus den
diesem letzten beigegebenen Gründen sei hier im Wesentlichen Fol-
gendes bemerkt:
Die Streitfrage ist die, ob Kläger das ihm von Feldmann
übertragene Versügungsrecht erworben habe. — Hierüber aber giebt
die briefliche Anweisung des Letzteren vom 13. Septb. keinen Auf-
schluß, auch wenn man damit die weitere Weisung: die Wolle so zu
lagern, daß gewisse bezeichnete Ballen vorn „zur Ansicht des
Käufers" bereit liegen sollte, verbindet. Dieser Brief Feldmanns
kann daher nur den Sinn haben: es sollten Beklagte, wenn und
insoweit Kläger (welcher ein Compagniegeschäft mit Feldmann
gemacht zu haben scheint) eine Verfügung über die Wolle künftig
treffen werde, demselben Folge leiste.
Ist nun von Seiten des Klägers geständlich etwas Weiteres
nicht geschehen, als daß er sich im Comtoir der Beklagten als der
in dem der Klage beigelegten Briefe bezeichnete I. Wolf gemeldet
und die Wolle aus sein Verlangen vorgezeigt erhalten hat, so läßt
sich auch nicht behaupten, daß Kläger eine Verfügung über die
Waare getroffen, damit aber den Besitz der Letzteren erworben
und den Beklagten außer Stand gesetzt habe, der späteren ander-
weiten Verfügung Feldmanns Folge leisten zu dürfen. Man
braucht blos die verschiedenen Möglichkeiten zu berücksichtigen, welche
zu der Weisung in Feldmanns Briese vom 13. Sept. selbst Ver-
anlassung gegeben haben können, um zu erkennen, daß das blose
Vorzeigenlassen und Besehen der Wolle, ohne das Hinzutreten
einer weiteren Erklärung oder Handlung, keinerlei Gebühren mit
der Substanz, dem Eigenthum oder dem Besitze der Waare, d. h.
einer. Verfügung oder Disposition, im Sinne des gewöhnlichen
Sprachgebrauchs enthält. A.

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