Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

Uebergang der Gefahr auf den Käufer nach den Bestimmungen re. 123
§ 8.
Der Einfluß der culpa, insbesondere der mora
auf die Tragung der Gefahr.
Dadurch, daß einer oder der andere Contrahent sich eines
Verschuldens und namentlich eines Verzugs schuldig macht, wird
selbstverständlich die Frage, wer die Gefahr zu tragen hat, ver-
schiedentlich modificirt und kann ein eingetretenes Verschulden oder
Verzug bald die Folge haben, daß der Verkäufer länger die Ge-
fahr trägt, als sonst der Fall sein würde, bald daß der Käufer
eher die Gefahr trägt, als ihm sonst zukäme.
Bei dem Kaufcontrakt ist nun aber soviel klar, daß derjenige,
dessen Leistung durch eigenes Verschulden unmöglich geworden ist,
dem anderen Theile nach den gewöhnlichen Grundsätzen für das
verletzte Interesse haftet.^ Es haben nun aber beide Theile die
diligentia eines bonus pater familias zu prästiren (die Sorgfalt
eines ordentlichen Kaufmannes Art. 282 H.-G.-B.) und also für
eulpa jeden Grades zu haften.* 2 3) Daraus folgt dann auch, daß
der Verkäufer zur custodia verpflichtet ist und für alle Schäden
hastet, welche durch custodia und diligentia abzuwenden waren.
Derselbe hastet also in der Regel für Diebstahl, nicht hat er da-
gegen für Gewalt, wie Raub, Einbruch u. s. w. aufzukommen. ®)
Ebenso hat aber auch der Verkäufer die zur Erhaltung der Sache
nothwendigen Kosten aufzuwenden.4)

') Windfcheid a. a. £>., § 255, num. 2, S. 19.
2) Mommsen a. a. O, Bd. III, S. 370 u. 371.
3) Vgl. Hasse, die culpa S. 293—300, S. 326—333. Daß der Ver-
käufer verpflichtet wäre, das Kaufobjekt gegen Feuers- oder sonstige Gefahren
zu versichern, läßt sich nicht so allgemein behaupten. Jedenfalls haftet er aber,
wenn der Käufer ihm Auftrag zur Versicherung gegeben und er solches
unterlassen hat. Schwieriger schon ist die Frage, wenn der Verkäufer die ihm
gehörigen Gegenstände und Waaren versichert hat, die des Käufers dagegen
zu versichern unterlassen hat. In der Regel wird jedoch hier diese Unterlas-
sung dem Verkäufer als culpa angerechnet werden können, wie denn auch der
Käufer sich nicht leicht wird weigern können, die auch ohne seinen Auftrag
von dem Verkäufer aufgewendeten Kosten für Versicherung derselben wieder
zu erstatten. Vgl. Bender a. a. O., S. 187.
4) §. 3, I de emt. et vend., Bd. III, S. 24; fr. 11 de perle. 18, 6;
fr. 36 de aet. emt. et vend. 19, 1; Glück a. a, O.. S. 187.

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