Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 22 (1871))

Uebergang der Gefahr auf den Käufer nach den Bestimmungen re. 115
Tragung der Gefahr, ob es sich um ein Platz- oder um ein
Distancegeschäft handelt. Wir wollen deshalb Letzteres etwas
näher betrachten.
2. Der Einfluß, daß das abgeschlossene Kaufgeschäft ein Distance-
geschäft ist, äußert sich, was den Uebergang der Gefahr betrifft,
lediglich bei dem Genuskauf und hier herrscht dann auch über den
Zeitpunkt, mit welchem die Gefahr auf den Käufer übergeht, ein
geivaltiger Streit zwischen den Rechtslehrern und wurden die ver-
schiedensten Theorien aufgebaut, um die von ihnen aufgestellten
Ansichten zu rechtfertigen. Die Einen behaupten, daß es an der
bloßen von dem Verkäufer einseitig vorgenommenen Ausschei-
dung genüge, um die Gefahr auf den Käufer zu wälzen. l) Andere
behaupten, daß es an der einseitigen Ausscheidung nicht genug sei,
daß vielmehr es einer, wie sie es nennen, zweiseitigen Aus-
scheidung bedürfe. Dazu soll dann erforderlich sein, daß die
ausgeschiedene Species dem Käufer so genau angezeigt ist, daß
der Beweis der Identität mit Beziehung auf diese Anzeige geführt
werden kann; die Leistung soll so individualisirt sein, daß dieselbe
dadurch den Charakter einer wieder erkennbaren Species erhalte.2)
(Jndividualisirungstheorie.)
Allein diese Jndividualisirungstheorie, obgleich sie die
herrschende ist, ist weder in den Gesetzen noch in der Natur der
Sache begründet.
Jhering (a. a. O. S. 382) macht mit Recht gegen dieselbe
geltend, daß dieselbe gerade so gut wie die Heherfche Ausscheidung
ebenfalls nur eine einseitige sei, daß dieselbe nicht durch den
Bericht des Verkäufers zur zweiseitigen werden könne, daß die
bloße Absendung des Berichts sich als ein lediglich formelles
') So Heyer in Linde's Zeitschrift, N. F., Bd. XV, S. 26 fg., und auch
gewissermaßen Fick a. a. O., S. 95.
2) So Thöl a. a. O., S. 454 fg.; Brinckmann, Handelsrecht, § 73,
Note 15; Endemann, Handelsrecht, S. 536. (Diese beiden letztern heben
dabei ausdrücklich hervor, daß es nicht auf den Zeitpunkt ankommen könne,
an welchem diese Mittheilung bei dem Käufer eingetroffen fei, sondern auch
den Zeitpunkt des Abgangs derselben); Seuffert, Pand. II, § 277; Vangerow
a. a. O., Bd. III, S. 434; Hoffmann im Archiv für prakt. Rechtswissenschaft
N. F., Bd. III, S. 159; Auerbach, das neue Handelsgesetz, Bd. II, S. 53
und Andere.

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