Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

Uebergang der Gefahr auf den Käufer nach den Bestimmungen rc. 105
er statt das Kaufobject zu liefern, also den Vertrag zu erfüllen,
den Schaden ersetzen wolle.r)
Betrachten wir nun, inwiefern der Grundsatz, daß mit der
Persection des Kaufvertrags die Gefahr auf den Käufer übergeht,
bei dem alternativen Kauf modificirt wird, so finden wir, daß,
so lange die Ausübung des Wahlrechts noch nicht stattgefunden
hat, und zwar einerlei, ob das Wahlrecht bei dem Verkäufer oder
dem Käufer stand, durch den Untergang der einen in der Obliga-
tion befangenen Sache die Verpflichtung nunmehr auf die andere
oder die anderen Sachen beschränkt oder concentrirt wird. Aber
die Gefahr trägt insofern der Verkäufer, als derselbe trotz des
llntergangs der einen Sache nunmehr gleichwohl die andere leisten
muß, den Kaufpreis aber nur einmal beanspruchen kann, ohne
irgend welche Entschädigung für die untergegangene* 2) Sache. Da-
gegen trägt der Käufer wieder seinerseits insofern die Gefahr, als,
wenn beide bez. alle Gegenstände, welche in der Obligation be-
sangen sind, untergegangen find, der Verkäufer von jeder Leistung
seinerseits befreit, dagegen gleichwohl den Kaufpreis zu beanspruchen
berechtigt ist. 3j

*) Erst durch Vertrag (novatio) könnte an die Stelle der ursprünglichen
Verbindlichkeit eine andere definitiv gesetzt werden» nicht aber wäre durch die
Erklärung des Verkäufers statt der Sache Geld geben zu wollen der Verkäufer
ohne Weiteres gebunden. Vgl. Obertribunal Berlin in Seuffert Archiv. Bd.
IV, S. 20.
2) fr. 32 pr. de cond. indebiti, 12, 6; fr. 2 8 3 de 60 quod 1. c. 13,
4; fr. 34 § 6 de contr. eint. 18, 1; fr. 16 pr. de V. 0. 45, 1; fr. 95 pr.
8 1 de solut. 46, 3; Fuchs a. a. O., S. 236. Von Einigen wird behauptet,
daß wenn den Verkäufer keine Schuld trifft, derselbe auch aus Billigkeit den
Werth des untergegangenen Objekts anstatt des noch vorhandenen soll leisten
dürfen. Fuchs, S. 237; Windscheid a. a. O., Nr. 5, auch Becker in seinem
Jahrbuch, Bd. V, S. 374. Wir zweifeln, ob diese Vergünstigung auf das
Kaufgeschäft anwendbar ist. fr. 47 § 3 de leg. id. 30 behandelt diese Frage
wenigstens nur für das Erbrecht und fr. 95 tz 1 de 8oInt. 46, 3 will diese
Vergünstigung dem Schuldner wenigstens dann nicht einräumen, wenn das
untergegangene Objekt weniger Werth hatte als das vorhandene. Unserer
Meinung nach erfordert gerade die Billigkeit, daß der Käufer, welcher das pericu-
lum deteriorationis trägt andererseits auch den Bortheil davon haben muß,
wenn das geringere Objekt untergeht.
3) fr. 34 § 6 eit.; Glück a. a. O., S. 186 u. 187.

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