Full text: Volume (Bd. 22 (1871))

Uebergang der Gefahr auf den Käufer nach den Bestimmungen re. 103
darum auch nicht nöthig zu erweisen, sondern nur daß der Käufer
trotz ergangener Aufforderung eine Erklärung nicht abgegeben hat?)
Uebrigens lasten sich auch noch andere Fälle denken, in welchen
selbst ohne eine ausdrückliche Erklärung seitens des Käufers eine
Genehmigung zu unterstellen ist. Allerdings ist eine solche Ge-
nehmigung nicht ohne Weiteres aus bloßem Stillschweigen ge-
folgert worden, wohl aber kann dieselbe in klaren, eoncludenten
Thatsachen befunden werden z. B. darin, daß der Käufer behufs des
Weiterverkaufs und zwar nicht nur um eines bestimmten oder be-
stitnmter Abnehmer Abnahme zu erwirken oder unter sonstigem ge-
eigneterem Vorbehalt, Proben der Waare an sich nimmt?)
Aber auch dann, wenn der.Käufer wirklich erklärt hat, daß
er die Waare nicht behalten wolle, sie aber gleichwohl binnen
der vereinbarten Frist oder auf Aufforderung nicht zurückgibt, ist
ebenfalls eine nachträgliche Genehmigung zu unterstellen bez. es
erscheint nunmehr der Verkäufer nicht genöthigt, sich eine verspätete
Zurückgabe gefallen zu lassen, sondern kann er Zahlung des Kauf-
preises verlangen?)
Darüber, welche Aenderung im Falle einer resolutiven Be-
dingung und wenn der Fall der actio redhibitoria vorliegt un-
sere Lehre erleidet, siehe Goldschmidt a. a. O., S. 123 fg.;
Fitting ebendas. Bd. V, S. 115, Anm. 41 und im Archiv,
S. 249.
Die hier vorgetragenen Grundsätze können nun aber wesent-
liche Aenderungen erleiden, a, durch besondere Uebereinkunft,
b, durch culpa eines der Kontrahenten und ebenso c, durch mora.
Die Uebereinkunft kann natürlich die Tragung der Gefahr
stets nach Belieben festsetzen und mit der culpa und mora
werden wir uns noch ganz speeiell befassen. Wir wollen hier nur

1) Lutz, Protokolle, S. 1369. Nach dieser Vorschrift des Handelsgesetz-
buchs kaun es nun auch nicht mehr nothwendig erscheinen, daß, wie Heise u.
Cropp (a. a. O., S. 198) annehmen, der Verkäufer in die Lage kommen
könne, auf Abgabe einer Erklärung seitens des Käufers Klage zu erheben.
2) fr. 20 pr. de praesc. verb. 19, 5; Heise u. Cropp a. a. O., S. 205
und 206: Goldschmidt a. a. O., S. 454; Fitüng in Goldschmidts Zeitschrift
Bd. V, S. 113, Anm. 38 und im Archiv S. 250.
s) O.-A.-G. Lübeck in Seufferts Archiv, Bd. XI, S. 144.

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