Full text: Volume (Bd. 1, St. 1 (1805))

61

Einrede, dass er es nicht gewusst habe, das»
seine Handlung unter diesem Strafgesetze stehe»
an und für sich betrachtet nicht davon befrey-
en, jetzt auch die für die Ueberiretung fest-
gesetzte Strafe zu leiden.
Indessen kann es doch wegen der Lage
der Umstände in concreto Fälle geben, wo von
der Strenge dieses allgemeinen Grundsatzes
etwas nachgelassen, und dcmlrrthume und der
Unwissenheit ein Kiuiluss auf Verringerung
der Zurechnung, eingeräumt werden muss.
Manche Personen irn Staate können sich näm-
lich in einer solchen äussern Lage, in solchen
Verhältnissen befinden, die bey ihnen einen
weit hohem Grad der Aufmerksamkeit und
des Fleisses, als für gewöhnlich nöthig ist,
erfordern würden, um von der Piechtswidrig-
keit ihrer Handlung Wissenschaft zu erhalten.
Ia eben diese Verhältnisse und diese Lage
können selber diesen hohem Grad der Auf-
merksamkeit und des Fleisses noch obendrein
erschweren. . Hier würde es unbillig s§yn,
wenn der Staat der die Lage solcher Personen
nicht ändern kann} ihnen eine aus Unwissen-
heit und Irrthum begangne Rechtsverletzung
eben so hoch anrechnen wollte» wie einem
andern Bürger, den ein gewöhnlicher Grad
■von Aufmerksamkeit sehr leicht würde mit
dem gesetzwidrigen seiner Handlung bekannt
gemacht haben. Frauenzimmer, Landleute,

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer