Full text: Archiv für Freunde der Philosophie des Rechts und der positiven Jurisprudenz (Bd. 1, St. 1 (1805))

Jjlick Her richtige Gerichtspunkt zu seyn, und
so hatte man auch, wie sich aus den Acten
ergab, die Begleitung des Bauers betrachtet.
Denn wirkliche positive Handlungen
zur Beförderung des Verbrechens halte
d r Begleiter nicht vorgenommen, er hatte sich
bloss leidend verhalten. Der socius positivus
verhalt sich aber gleichfalls passiv, indem er
das Verbrechen dadurch befördert, dass er die
rechtswidrige Handlung nicht unmittelbar
durch eigne Kräfte verhinderte, obgleich er
dazu im Stande war, oder indem er das Ver-
brechen nicht anze.igte, obgleich er Kenntniss
von demselben hatte. Allein diese beyden
Eintheilungen der negativen Beyhülfe setzen
einen Umstand voraus, den man durchaus
nicht übersehen darf. Es musste nämlich je-
mand, Um als socius negativus betrachtet wer-
den zu können, die vollkomuine Ver-
bindlichkeit haben, das Verbrechen
zu .verhindern. Diese Verbindlichkeit
liegt nicht an und für sich jedem Staatsbürger
in Hinsicht aller Verbrechen ob. Der Bürger
ist im allgemeinen nur verpflichtet, selber
nicht illegal zu handeln, nicht aber den Auf-
passer in Rücksicht andrer zu machen. Da-
durch dasfe ich weiss, der andre will illegal
handeln, verletze ich keine Pflicht gegen den
Staat, und ich kann daher durch das blosse Wis-
sen auch nicht strafbar werden, wenn mir- nicht
der Staat eine besondre Verbindlichkeit des-
halb auferlegt hat. Diese Verbindlichkeit fin-
det für jeden Bürger des Staats nur in Hin-
sicht einiger Verbrechen statt, bey denen durch
ausdrückliche Gesetze unmittelbare Verhinde-
' . ' ' ' I

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