Full text: Archiv für die Rechtsgelahrtheit in dem Großherzogthum Mecklenburg (Bd. 1 (1803))

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haltnis fortdauerte, so lange Denunciat vor dem
Denuncianten, als seinem Richter, stand, dessen Hülfe
er aufgefordert hatte, so lange war auch eine öffentliche
Injurie möglich. Aber es zeigt sich bald, daß das
wenigste, was in diesem Verhältnisse zwischen beyden
vorfiel, sich zur eigentlichen Injurie eignet. Daß
Seemann angeblich mit starker Stimme und unter
heftigen Gesticulationen seine Angelegenheit vortrug,
kann unmöglich Injurie seyn, nicht nur weil hier
das Mehr und Weniger unmöglich Gegenstand der
richterlichen Beurtheilung ist, sondern auch, weil es
nicht als Zwangspflicht werden gedacht kann, gerade
mit leiser Stimme und ohne Gesticulationen einen
Vortrag an den Richter zu khun, auch auf einen sni-
mus injuriandi hierbey nicht geschlossen werden kann.
Wenn ferner Denunciat sich mit dem Ausspruche des
Richters nicht begnügt, sich auf sein vermeintliches
Recht beruft, und aus einer Verordnung fein Recht
demselben darzustellen sucht, so bediente er sich einer
Befugnis, die einem Unkerthanen nirgends von den
Gesetzen abgesprochen ist. Sollte hierin eine Injurie
liegen, so müste es auch auö demselben Grunde
Injurie seyn, sich eines Rechtsmittels gegen eine
Sentenz zu bedienen. Was jemand zu seiner Ver«
.theidigung sagt, kann, wenn es nicht der Form
nach

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