Volltext: Archiv für das preußische Handels- und Wechsel-Recht (Bd. 1, H. 3 (1846))

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Rechtssprüche.

Zahlung nothwendig schon ihr« Wechsrlfähigktit voraussetzt, so rrgiebt
sich, daß, wenn fie dieselbe erst an dem au- dem Wechsel erstchtlichen
Verfalltage erlangt haben, hierauf kein entscheidendes Gewicht gelegt
werden kann.
Der h. 838 spricht nur von Indossamenten, und weit entfernt, daß
die rückwirkende Kraft, die er der von einem Indossanten später erlangten
Wechselfähigkeit aus daS bereits vorher von ihm ausgestellte Giro bei*
mißt, auch auf den Wechselaussteller selbst, so wie auf den Accepianten
übertragen werden könnte» bildet gerade der Umstand, daß der Gesetzge-
ber in Bezug auf die Indossamente jene specielle nur von ihnen Han,
delnde Bestimmung getroffen hat, ein Argument mehr gegen dir rück«
wirkende Kraft der von dem Aussteller undAcccptanten später erlangten
Wechselfähigkeit, während die Strenge des Wechielrechlü eine auSveh»
nenve Interpretation der ihm angehörigen Vorschriften nicht gestattet.
Auch find die Verhältnisse in beiden Fällen verschieden. Denn der
Aussteller erwirbt, selbst wenn er einen acceptirten Wechsel einlöst, kein
Wechselrecht, und eben dieS gilt außer dem Falle einer Acceptation per
honor von dem Acceptante«.
tz. 1104.
Dem Wechselinhaber dagegen kömmt ein solches nicht nur wider den
Acceptanten und den Aussteller, sondern auch wider seine übrigen Vor-
dermänner zu, und wenn daher seinem Giro Wechselkraft beigelegt ist,
sobald er nur überhaupt vor eingetretrner Verjährung desselben Wechsel-
fähigkeit erlangt hat, so läßt stch hierbei die Rückficht aus seine Hinter-
männer in Betracht der Rechte, welche ihm gegen seine Vordermänner,
so wie gegen den Aussteller und Acceptanten zustehen, als leitendes
Princip nicht verkennen. Zugleich aber kömmt die größere Schwierig-
keit in Betracht, welche es für die Hintermänner, namentlich bei solchen
Wechseln, die durch viele Hände und von Ort zu Ort gegangen find,
haben muß, fich von der Wechselfähigkeit aller Vordermänner bis auf
den Aussteller zurück Ueberzeugung zu verschaffen, und hieraus ergirbt
fich ebenfalls, weshalb der Gesetzgeber fich zu der im §. 838 Tit. 8.
Thl. II. des A. L. R. enthaltenen Vorschrift veranlaßt gefunden haben
mag, ohne in Bezug auf den Aussteller und Acceptanten, bei welchen
jener Grund nicht in gleichem Maaße vorwaltet, eine ähnliche Bestim-
mung zu treffen.
Der vorige Richter hat sonach den §. 838. Tit. 8. Thl. II. drS A.
L. R. unrichtig angewendet und die von dem Imploranten gegen seine
Ausführung erhobene Beschwerde, daß er auS der auf dem Wechsel vom
5. März 1844 vermerkten Acceptation wechselmäßig verhaftet sei, ist
daher in Erwägung, daß der App. Richter die Wechselfähigkeit deS Im-
ploranten erst nach jener Acceptation für eingetreten annimmt, in jeder
Hinficht für begründet zu erachten.
Auch hat Kläger in der Sache selbst unter Abänderung deS
erste« Erkenntnisses mit der wider Y. erhobenen Wechselklage abgewir-

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