Full text: Archiv für das preußische Handels- und Wechsel-Recht (Bd. 2, H. 1 (1848))

Abhandlungen.

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1812 aufgehoben sei; es ist dies aber ohne Einfluß auf die
Praxis geblieben. Die Bezahlung aller solcher an einem Sabbath
oder jüdischen Feiertage fälliger Wechsel jüdischer Bezogenen ist bis
zum heutigen Tage am vorhergehenden Werkeltage gefordert
und der Protest von den Notaren und Gerichten an diesem Tage
ausgenommen worden.
Unbedenklich hat zu dieser auffallenden Erscheinung die Annahme
beigetragen, daß der §. 24 des Ed. v I I. März 1812 nur unge-
nau gefaßt sei, indem den Vorschriften der §§. 989 und 990 der
ganz gleiche Gnmd als den §§. 872 und 1096 unterliege. Dies
Letztere ist im Allgemeinen vollkommen richtig, gleichwohl aber findet
zwischen beiden Fällen eine Verschiedenheit statt, welche den von
dem Edikte gemachten Unterschied vollkommen rechtfertigt.
Dle Präsentation zur Annahme eineö Wechsels ist nämlich
in die Hand dev Wechselinhabers gelegt; bei Datowechseln kann
fle bis zum Verfalltage, und bei Sichtwechscln binnen achtzehn
Monaten nach dem Tage der Ausstellung geschehen. (§§. 909.
971). Weder der Wechselaussteller noch der Bezogene können auf
den Zeitpunkt der Präsentation einen Einfluß üben; cs ist ein
fakultativer Akt deS Wechselinhabers. Daß hierbei eine Rücksicht
auf die Religionögebräuche des Bezogenen eintrete, erschien daher
dem Gesetzgeber gerechtfertigt, und zwar um so mehr, als die Lei-
stung deö AccepteS eine Handlung ist, welche der Bezogene
selbst vornehmen, und welche von ihm schriftlich vollzogen wer-
den muß.
Ganz anders stellt sich dies bei der Zahlung des Wechsels. Ob
ein jüdischer Kaufmann sich mit der Zahlung an einem Sabbathe
oder jüdischen Feiertage überhaupt befassen wolle oder nicht, hängt
von ihm ab. Er ist letzten Falls im Stande, seinen Geschäftsfreun-
den die Beziehung von Wechseln, welche an diesen Tagen fällig
sind, zu untersagen, er hat es in seiner Hand, aus diesem Grunde
das Accept eines Wechsels abzulehnen. oder selbst die Zahlung
durch einen Dritten leisten zu lassen. Seine eigne Thätigkeit,

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