Full text: Volume (Bd. 2, H. 1 (1848))

5.22. Bei dem Prangen eines Schiffs ist nur der dadurch an dem Fahrzeuge selbst und den Schiffsgeräthschaften nicht aber zugleich der an der Ladung entstandene Schaden zur großen Haverie zu rechnen

68 Rechtösprüchc deS Geheimen Ober-Tribunalö.
tirt. Dem Abschlüsse deS Mandatsvertrages ist danach die Erfüllung
durch den Kläger hinzngetreten. Dieser hat lediglich alS Bevollmäch-
tigter für diesen den Prämienschein angekauft und nicht sich, sondern dem
Verklagten daö Eigenthum erworben, demselben auch den Schein über-
sandt. Der Zwischenakt ist ein Zwischenakt geblieben. Daö Rechtsge-
schäft, daö mit dem Aufträge vom 20. September 1845 begonnen und
mit der Annahme und Erfüllung dcö Auftrages vom 13. und 14. Okt.
1845 geendigt hat, kann nur alö ein Ganzes, alö ein vollständig auö-
geführter Mandatövertrag aufgefaßt werden.
Die vom Richter zweiter Instanz geschehene Zerlegung der einzelne»,
die Abschlicßung und Erfüllung dieses Vertrages bildenden Handlungen
in verschiedene, von einander unabhängige Rechtsgeschäfte ist mit der
Sachlage unvereinbar und findet in den zur Rechtfertigung dieser Tren-
nung in Anwendung gebrachten gesetzlichen Vorschriften keine Begrün-
dung. — Der Anspruch deö Klägers auf den auf den Prämienschein
bei der Ziehung am 15. Oktober 1845 gefallenen Gewinn ist daher
hinfällig.
Auö diesen Gründen muß daö erste, den Kläger abweisende Erkcnnt-
niß wieder hergestellt werden.
22) Bei dem Prangen eines Schiffs ist nur der dadurch
an dem Fahrzc uge selbst und dcnSchiffsgeräthschaften,
nicht aber zugleich der an der Ladung entstandene Scha-
den zur großen Haverie zu rechnen.
Unter Prangen cineö Schiffes versteht man bekanntlich das
Fahren gegen den Sturm, um nicht auf Klippen und Sandbänke
zu gerathen.
Der Kapitain B. übernahm als Führer des Schiffes Rosalte von
der Handlung R. in Stettin eine Ladung Roggen zur Ablieferung
an G. in Königsberg. Er lieferte 98 Scheffel zu wenig ab, und
G. hielt deshalb von der Fracht eine Summe von 179 Thlrn
20 Sgr., als den Werth des fehlenden Roggens, zurück. B. wollte
sich aber diesen Abzug nicht gefallen lassen, weil er behauptete, daß
das Schiff auf der Reise einen starken Sturm zu bestehen gehabt,
daß das fehlende Getreide mit dem cingedrungcncn Wasser ausge-
pumpt worden sei und daß er für den solchergestalt ohne seine Schuld
durch äußern Zufall entstandenen Schaden nicht aufzukommen
brauche. Er klagte deshalb auf Bezahlung der einbehaltenen Fracht.

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