Full text: Volume (Bd. 2, H. 1 (1848))

Rechtösprüche deö Geheimen Ober-Tribunal-. 63
Der Kaufmann P. in Frankfurt verschuldete dem Kaufmann H.
in Crossen eine Summe von etwa 120 Thlrn. für gelieferte Maaren,
und wünschte, daß H. dieses Guthaben auf ihn anweiscn möge.
Statt dessen ersuchte ihn H. brieflich im September 1845, einen
Scehandlungs-Prämicnschcin anzukaufen und ihm denselben mit
der Berechnung darüber zuzusendcn. Dies war jedoch bis zum
12. Oktober nicht geschehen, eine Antwort auch nicht cingcgangcn
und H. richtete daher an jenem Tage folgendes Schreiben an P.:
Sie hatten bis heut nicht die Güte, weder mein Schreiben zu beant-
worten, noch die erbetene Serie zn einem Prämiruschein der Sec-
handlunq mir zn übersenden. Ich will daraus entnehmen, daß
Sie Sich mit Anschaffung dieses Effekts nicht befassen wollen, und
habe ich, weil die Ziehung bereits am 15. d. M. beginnt, für ander-
weite Anschaffung riueö Appointö gleicher Art gesorgt. Gleich-
zeitig erlaube ich mir, Sic hiermit zn ersuchen, mri» Guthaben von
120 Thlrn. baldgefälligst durch die Post mir übersenden zu wolle».
P. erwicdertc darauf am folgenden Tage, den 13. Oktober:
3m Besitze Ihrer wcrttzcn Zuschriften vom 20. v. M. und 12. d.
Bk. riefen mich inzwischen Geschäfte nach Leipzig, und da ich den
gewünschten Prämicnschein hier nicht beschaffe» konnte, wollte ich
denselben auf meiner Rückreise in Berlin kaufen und Ihnen als-
bald cinsendcn. Dieö ist der Grund meiner späten Antwort, und
versichere ich zugleich, daß erwähntes Papier dieser Tage —
Morgen — dort cintreffcn wird.
P. kaufte hierauf am 14. Oktober von dem Bankier M. zu F. den
Prämienschein Nr. 216175 für 114 Thlr. und sandte denselben
mit rekommandirtem Schreiben sofort an H. nach C. Das Begleit-
schreiben lautete:
Unter Bezugnahme auf mein ergebenes Schreiben von gestern über-
sende ich heut Ihnen den mir durch ein hiesiges BankierhauS zuge-
kommenen Prämienschein Nr. — beigeschlossen, lege Nota darüber
bei, und bitte, mir dafür l 14 Thlr. zu gut zn schreiben.
Nachschrift. Serie ist erst heut'von dem Bankierhause K.
auö Berlin hier eingegange».
Die erste Ziehung erfolgte am 15. Oktober und es fiel hierbei auf
den angekauften Prämienschein ein Gewinn von 70,000 Thlrn.
P. reiste hierauf am 16. Oktober nach C.. angeblich in der
Absicht, auf seine Offerte vom 13. und 14. Oktober ein ausdrückli-

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