Full text: Volume (Bd. 1, H. 1 (1844))

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Erste Abhandlung.

torischer Beziehung vollbracht worden, lehrreiche Vorarbeiten ge-
boten seien. Er gemahnte daran, daß der Zeitpunkt gekommen
sei, wo etwas Tüchtiges und Großes ins Werk gerichtet werden
könne, weil das Bedürfniß einer engern nationalen Anschließung
in den Fürsten und Völkern Deutschlands gleich rege, und die
Empfänglichkeit für jede sie fördernde Idee vorhanden sei.
Der anscheinend günstige Zeitpunkt ging indessen vorüber,
ohne daß zur Verwirklichung der angeregten Idee etwas geschah.
Vielleicht schien ihre Ausführung die autonomische Gewalt der
einzelnenLanbesfürsten zu beeinträchtigen, vielleicht gab man dem
Bedenken Gehör, daß die damalige Zeit nicht befähigt sei, die
unverkennbaren Schwierigkeiten der Aufgabe auf befriedigende
Weise zu lösen '). Die aus den Berathungen über die Gestal-
tung der politischen und bürgerlichen Verhältnisse Deutschlands
hervorgegangene Bundesakte vom 8. Juni 1815 und die am
15. Mai 1820 vollzogene Wiener Schluß-Akte enthalten keine
Andeutungen über die Absicht, einen gleichförmigen bürgerlichen
RechtSzustand in Deutschland herbeizuführen. Unter den Zwecken
des Bundes ist die Einwirkung auf dieses Gebiet der Ge-
setzgebung nicht bezeichnet; dieselbe ist vielmehr das Attribut der
Souverainität jedes einzelnen Landesfürsten geblieben. Nur
über einzelne, die Rechte der Unterthanen aller Staaten sichernde,
gegenseitige Zusagen einigte man sich *). Da nun der Art. III.
der Schluß-Akte auöspricht, daß in ihr selbst der Umfang und

Es ward dies Bedenken namentlich kn der Gegenschrift: v. Savigny,
Vom Berufe unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Heidelberg
1814 ausgestellt. Die Ansicht ThibautS überden mangelhaften RechtS-
zustand Deutschlands wird bestätigt, aber auSgeführt, daß der Zweck, die
Grundlage eines sichern Rechtes und die Gemeinschaft der Nation bei Eoncen-
tration ihrer wissenschaftlichen Bestrebungen auf dasselbe Objekt herbeizufüh-
ren, durch eine organisch fortschreitende Rechtswissenschaft, welche der ganzen
Nation gemein sein könne, erlangt werden müsse. Aus dem ungenügenden
Resultate der neuen legislatorischen Arbeiten wird gefolgert, daß die Zeit nicht
den Beruf zur Gesetzgebung in sich trage.
Einen gleichen Zweifel äußerte schon Joh. Georg Schlosser ln den 1789
erschienenen Briefen über die Gesetzgebung überhaupt und den Entwurf des
Preuß. Gesetzbuches insbesondere.
a) Hierzu gehören insbesondere kn der BundeSakte: dieZusicherung einer
dritten Instanz (Art. 12.), so wie einer landständischen Verfassung

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