Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

496 Von den Geschäften der Partheiett u. Amtspersonen im Prozeß
Wollte Jemand ein Gestäodniß zurücknebmen - weil er
in jure nicht dazu verbunden war/ so würde dieses nichts
helfen; dagegen wer in facto irrt/ der gesteht nicht zu/
da ist ein Verzicht nicht denkbar. Zwar könnte man das.
selbe auch in dem andren Falle desjuris error sagen;'")
allein die Römer blieben bei ihrer Ansicht der Unterschei-
dung dcS error facti et juris und lehrten daher in der
l. 2 D. 42. 2.
Non fatetur, qui errat, nisi jus ignoravit.
Dieses haben die Franzosen angenommen/ und wenn eS
auch mit ihrer Regel über den RcchtSirrthum nicht voll-
kommen übercinstimmt, so ist die Ansicht doch billig und
anzuerkennrn.

§. 19.
b) Descrirter E i d.
Der Eid war bei den Römern ebenso wie das Geständ-
niß rin gerichtlicher und ein außergerichtlicher. Den ersten
ließ der judex pedaneus und später der magistratus zur
Auseinandersetzung eines Verhältnisses zu, der andre kam
als pactum extrajudieiale vor/ wie wir es noch jetzt im
Corpus juris haben. In beider Hinsicht wurde nicht bloß
über ein kaetum, sondern über daS ganze RcchtSverhältniß
entschiede»/ und der judex war dazu genöthigt/ wenn ihm
die Sache nicht klar war / zumal oft factum und jus sehr
ineinandcrliegen/ und der judex pedaneus sonst sogar zu
einem non liquet hätte kommen müssen. Tl) In der That
war also der Eid bei den Römern ein Verzicht/ wie das
Geständniß.
Das kanonische Recht faßte ihn anders auf/ und wollte
im christlichen Geiste in dem Eide die Sanction der Glaub,
Würdigkeit eines facti. Der deserirte Eid gehört nach dem
kanonischen Recht in der That in die Lehre vom Beweise
selbst, und soll den Partheien gegeben sei«/ als ein Beweis-

70) Daher wollen die Franzosen den Rechtsirrthum entschuldi-
gen lassen, wenn der Andre uns hineingeführt hat. 'foul,
liet Nf. 311.
71) Tit, D. de jurejurando,

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