Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

und über Obligationen überhaupt. 4t
nicht mehr haben/ so ist es praktisch/ die andere Richtung
vorzuziehen.
Immerhin aber sollte zweierlei bemerkt werden:
1) der Umstand/ daß der römische Formalismus nicht
zerstört fey, und verschiedene Folgen noch daraus erklärt
werden können /
2) der Umstand/ daß der deutsche Vertrag im Allgemei-
nen gar nichts Formelles hat/ also nichts davon abhängt/ a)
daß er inter praesentes abgeschlossen werde/ wobei die eigene
Lehre von dem Vertrage inter absentes cinzuschalten ist/
b) daß eg nicht direkte auf Worte ankömmt d. h. auf Frage
und Antwort/ oder sonstige ausdrückliche Erklärung/ daß
aber der Vertrag soweit vorgerückt seyn müsse/ um die Haf.
tung daraus abzunehmcn/ wie z. B- durch arrha, bindenden
Handschlag u. s. w. , c) daß also auch in unserm Vertrage
auf irgend eine Weise eine Bestättigung der gegenseitigen
Intention/ wenn auch ohne Form vorhanden seyn muß.
Wollen die Gegner dies Alles zugeben — Vertrag und
Conventionalität mit unS unterscheiden , so sind wir in den
Hafen deS Friedens eingelaufcn.
§. 24.
Die römischen Untersch eidun gen sind fast über-
all maaßgebend.
Auch den Unterschied der römischen obligationes civi-
les et naturales müssen wir beibehalten. Z. B. A. ver-
ficht dem v. 5000 fl. zum Heirathögut/ wenn er die Toch-
ter seines Bruders C. hcirathe und resp. diese Tochter zur
Heirath wirklich bringe , also sub conditione nuptiarum.
Wenn nun A in der Unräthlichkeit der Heirath / die er ex-
post einsteht / der Tochter seines Bruders abrakhet/ hat er
feinem Vertrage enrgegcngehandelt? Keineswegs? denn eine
Bedingung legt keine Verpflichtung auf. Immerhin kann
man sagen/ er habe nicht honett gehandelt/ er habe obli-
gationem naturalem Übertrete»/ aber eine actio oder ex-
ceptio doli kann am wenigsten hieraus abgeleitet werden-
Das jus naturale der Römer war ein Recht / welches auf
allgemeiner Bildung ruht und den Menschen verbindet/ auch
wokein directer Zwang/ keine Klage, bedacht ist, also, waS

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