Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

33

und über Obligationen überhaupt.
warum die römische stipulatio ald einseitiger unnützer Form-
vorlrag nicht mehr bestehen kan»/ dagegen aber jetzt eine
wahre causa materiell in einem immerhin gegenseitigen Ver-
trage mit ausdrücklicher Erklärung / bestehe sie auch in Zei-
chen/ vorhanden sein muß.
Wir stehen allerdings unfern Gegnern näher, aber
ihre Meinung verwerfen wir als eine das römische Recht
zugleich mißverstehende , und der Natur der Sache vollkom-
men widerstreitende. DaS französische Recht hat wohl unsre
Ansicht / aber keineswegs haben die Redaktoren und Schrift-
steller gehörig darüber nachgeforscht.
§. 19.
Fortsetzung.
Zwei Dinge sind in der neuesten Zeit wenigst sorgfältig
beachtet worden:
I. Daß das römische System auch in formalibus kei-
neswegs nmgcworfen ist/ und Alles auf den Erfolg der ver-
schiedenen Arten der Verträge , das Neurecht und pericu-
lum ankömmt.
II. Daß die Veränderungen der neueren Gesetzbücher/
namentlich in der Aufstellung der Scriptur in gewissen Ver-
träge»/ einem naturrechtlichen/ auch der alten Welt bekann-
ten Grundsätze folgen/ dessen Wirkung sie nicht gehörig hcr-
vorheben.
Es kömmt in unsrer Lehre Alles darauf an/ das ein-
fache/ aber für höhere Cultur ungeschickte Princip d er Fo rm
in Frage und Antwort zu erkennen / ihr gegenüber die Per-
fektion der Sache nach zu setzen/ zu zeige»/ worauf
dann derBeweiS gerichtet werden muß' und wie nach un-
fern Ansichten nicht sowohl daS Chaos der deutschen RechtS-
theorie und Praxis, als vielmehr ein andernorts besser ge-
bildetes lebendes Recht sich auönimmt.
§. SO.
ad I. Immer hat man in Deutschland auf daS römi-
sche Recht geachtet/ wohl nicht der Form wegen/ als des-
jenigen wegen/ was dem Inhalte nach, von jener Form ab-
hing. Die nächste Frage war nämlich immer die, wann
ist der Vertrag perfect? Damit stimmt dann überein, wer
trägt die Gefahr? Nach den Ansichten der Neueren würde Alles
Nvsihirt, Zeitschrift. Bd. IV. Heft 1. 3

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer