Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

Von den Gesetzen, Verordnungen «. Regierungsbeschlüsse». 377
in Frankreich vom Natnrrechre Nichts ab, weil die Fran-
rosen nicht die besoodcrn JnAitule der Beurtheiluug eine-
peregrinus, nicht die Provincialrechre, wie einst die Rö-
mer hatten;
b) indem ste, den Deutschen ähnlich, eine Art von Phi-
losophie unter dem Naturrechte annehmrn, die aber auch in
Deutschland «vS nur täuscht. Die erste Naturrechtsphiloso-
phie in Deutschland entstand, indem man die Vernunft über
die angenommene Moral der Theologen setzte, wie dtcS schon
von Hugo GrotiuS herkömmt: darauf entstanden die ge-
künstelten Sätze der Soeialisten, und zuletzt hat jedes System
der deutschen Philosophie da» Naturrecht in den Kreis seiner
obersten Grundsätze gezogen. Aus diesem Allen aber ist Nichts
Positives hervorgegangen; dagegen haben einige deutsche Juri,
üen die Gefühle ihres Volkes, die bei der Aufnahme des frem-
den römischen RechtS, bei dem Einflüsse der christlichenBildung
und Moral und bei der Kcrnhaftigkcit des deutschen Ansta«.
des sich erzeugt haben, zusammengchaltcn, in eine wissen,
schafiliche Ordnung dem positiven Rechte gegenüber gebracht
und sogar behauptet, daß diese Ansichten der Billigkeit so
respektirt werden müßten, daß daraus geklagt werden könnte.
DieS ist die Lehre der Professoren des deutschen NaturrechtS
am Ende des vorigen Jahrhunderts, und darnach ist das
berühmte Buch Weber'S über natürliche Verbindlichkeiten
entstanden. Der badische Gesetzgeber ist davon erfüllt, un-
erklärt im Zusatze 4a daS Naturrecht alS eine wahre Ergän-
znngSquelle des badischen RechtS.
Eine andre Ansicht der deutschen Gelehrten war die: man
könne die anerkannten Ansichten deS deutschen RechtSgefühlS
nur anfehen wie obligatio»«« naturales der Römer, und
ein debitum in der Art anerkennen, daß eine Zurückfode-
rung, d. h. eine Klage aus dem indebito soluto nicht statt-
finden könne. Also nahm man dann nicht bloS das römische
und reeipirte Recht zur Grundlage, sondern ergänzte das.
selbe durch die weitere Entwickelung deS deutschen RechtS-
gefühlS. Diese Ansicht halten wir sicher insoferne zur An-
Wendung geeignet, alS das römische Recht fundatam in-
tentionem hak, und alS Subsidiarrechl im Großherzogthume
Baden gilt.

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