Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

374 Don d«n Gesetzen, Verordnungen «. RegierungSbeschlüffen.
«enhäageuden Handlungen waren den Römern obligatio»««
naturales, weil die Römer Recht und Moral nicht trennten.
Dazu kamen auch jene obligationes naturales, die wohl in
der Gesinnung, sich rechtlich zu verpflichten, eingegangen
waren, denen aber die vorgeschriebene RechtSformalitär ab-
ging. Praktisch zeigte sich dieses System der Römer in dem
Gegensätze der actiones zu denjenigen Verhältnissen, welche
nicht klagbar waren und welche im besten Falle eine excep-
tio erzeugten.
Dabei gehörten die boni mores zum jus publicum, d.
h. der Privatmann kann keine Verträge machen, die contra
bonos mores gehen, und diesen Satz hat auch der Code
im Art. 6. reeipirt. Also hat der Ode im Ganzen sein
Recht auf Sittlichkeit gegründet, aber speeielle Regeln kei-
neswegs gegeben.
Im Mittelalter kam eine tiefere Begründung der Mo-
ral in das praetische Leben der Menschen. AnS dem
Christenthume entwickelte sich die theologia moralis oder der
Inbegriff drS christlichen Lebens. Man zweifelte nicht, daß
daS Recht die christliche Moral, die zugleich Dölkermoral
wurde, ehren müsse. Selbst Thibaur geht soweit, zu be-
haupten , daß daS eanonische Recht zur Geltendmachung
moralisch gebotener Verhältnisse eine actio in kactum ein-
geführt habe, folglich, daß dir christliche Moral jetzt herr-
schend und daS Rechtsgebiet erweiternd geworden fey.
Davon sieht freilich das französisch« Recht gänzlich ab,
welches der Kirche keinen Einfluß gewährt, im übrigen daSje,
nige ehrt, was in der Welt für sittlich gilt, komme eSdurch die
Kirche oder durch eine andre Gewohnheit. Klagen aus kirch-
lichen Geboten können also nicht begründet werden, und daS
französische Recht ehrt die Sittlichkeit bloS als Triumph der
humanen Weisheit und der Staatsordnung.
§. ri.
Verhältnjß des französischen Rechts zum allge-
meinen Recht«
oder
von den natürlichen Verbindlichkeiten.
Die Römer nehmen bekanntlich «in« doppelst Richtung
der natürlichen Verbindlichkeiten au,

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