Full text: Volume (Bd. 4 (1842))

898 Vom EigenthumSerwerb an Liegenschaften.
Von Liegenschaften, und namentlich davon, daß die Prä-
dialservituten solche seien, ist hier nicht die Rede, denn diese
Rechte werden deu Liegenschaften in vielen Beziehungen nur
zur Seite gestellt.
Anders steht es mit dem ususfructus und usus. Der
Erwerber dcS EigenkbumS kann diese Rechte mit 10 und 20
Jahren wohl nicht aufheben, weil ausdrücklich die Zeit von
30 Jahren vorgeschrieben ist, aber darüber ist großer Zwei-
fel, ob der ususfructus und usus, die offenbar ein direktes
Recht an der Liegenschaft, dem Eigenlhume ähnlich sind,
und nur im animus sich etwas vom Eigenthnme unterschei-
den, nicht aber in der unmittelbaren Disposition, nicht in
10 und 80 Jahren erworben werden können. Wir haben diese
Ansicht schon in der Lehre vom Besitze angenommen, obgleich
viele diese Rechte für ganz unersitzdar halten, und sie den
Liegenschaften nicht gleichstellen, weil nichrS darüber im
Code ausgesprochen ist. ")
Um nun auf die 10 und 20 jährige Ersitzung übcrzu-
gehen, so ist vor Allem gewiß,
1) daß die Franzosen die bona fides nicht auS dem
justus titulus hervorgehcn ließen, sondern die bona fides
in der Art bewießen verlangten, daß sie außer dem titulus
in besonder« Umständen des Beweises und Gegenbeweises
gefunden werde. Die Römer hielten Alles auf den titulus,
und nahmen nur beim error kaeti alieni einen Putativtitel
an, weil auch hieraus die bona fides folgte. Die Franzo-
sen aber verlangen zwei Dinge, justus titulus und bona
fides. Die lctztre ist zwar nicht zu erweisen, aber eS soll
darüber bis zur Wahrscheinlichkeit verhandelt werden. Die
Franzosen erfodern bei dem justus titulus einen solchen, der
formell gültig sey. aber wo cS daran nicht fehlt, lassen
sie auch den titulus putativus zu. #8)
2) In Hinsicht auf daS Verhältniß der 10 und 20 Jahre

67) Ganz unrichtig aber ist eS, wenn Our»»ton V. Ur. 543.
das Verbältniß der Prädialservituten in der Verjährung
dem von ususfructus glcichstellt, denn dieser wird von einem
non dominus bestellt, und ist der Analogie des Eigenthunis
gemäß. Davon weiter unten.
68) Zwar ist gerade darüber ein großer Streit: warum sollte

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