Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

264 Von der Natur des EigcnthumS an unbeweglichen Gütern.
EigenrhümcrS nach demjenigen ihre Bedeutung haben, waS
bereits im vorigen §. angeführt ist.
§- 20.
Von der Dachtraufe und von der Durchfahrt«
I. ES gibt so viele Vorrichtungen, wodurch man von
Häusern und Gebäuden daS nachbarliche Verhältniß
wenig drückend zu mache» sucht, dergestalt daß cS eine Wohl-
rhar dcS Gesetzes ist, wornach jeder daS Wasser von feinem
Dache nur auf den eigenen Grund oder auf die Straß e
darf ablaufcn lassen. Jedoch ist dies kein Polizeigefctz, d. h.
daS Gegenkheil kann durch eine freiwillige Servitut bedun-
gen werden. ES ist dies übrigens in de» meisten Fällen keine
solche Servitut, die durch die Verjährung erlangt werden
kann.
II. Jeder, welcher ein Eigenthum oder ein diesem ähn-
liches Recht, wie z. B. den Nießbrauch oder die Emphyteuse
oder superficies an einem Grundstücke hat, kann nicht nur,
wenn er durch Theilung dazukömmt, schon durch daü Thei-
lungSjudicium wie bei den Römern ein Durchgangörecht ver-
langen und zwar hier selbst, wenn eS nicht nothwendig, aber
nützlich wäre, und zwar ex arbitrio judicis, sondern er
kann auch ohne solches Verhältniß eine via neces-
saria «IS Servitur ansprechen. ES folgt dieses a»S dem
alten deutschen Principe der Auötheilung dcS Grund- und
Bodens, da man hier nicht in dem Style der römischen
Agrimensore» zn Werke ging. Offenbar ist der usus dir
Grundlage des Instituts. Nöthig ist freilich, daß ein wah-
rer Nothstand dazu dränge, z. B- ein Fluß, über welchen
keine Brücke und Nähe ist, und wenn auf einer ander» Seile
der Zugang nicht möglich und ausführbar ist, wobei freilich
mancherlei in dem Ermessen dcö Richters und der Sachver-
ständigen liegt. Auch kann unter Umständen statt des Fuß-
weges ein Fahrweg104) verlangt werden. Dies Alles ist
freilich vielfach arbiträr, doch daS Recht, welches auf
den Nothstand gestellt ist, so weit ausschend errichtet, daß
eS als res merae facultatis nicht verjährt werden kann.

104) Zachariä II. §. 246.

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