Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

219

Vom Besitz im Allgemeinen.
Dies ist der Gedanke, den auch die Deutschen hatten,
Wenn sie den titulas pro coloranda possessione verlang-
te«. Nur muß nicht eine petitorische Nachweisung des Ti-
tels, sondern bloS eine Art von Bescheinigung, wie auch bei
den interdictis adipiscendae possessionis bei de» Römern
verlangt werden. Ebendeßhalb ist eS auch nicht unrecht,
wenn man sich bei den eontinuirlichen Servituten auf den
Titel beruft, zumal, da man hier keine Handlungen anzu-
Rühren braucht, der Titel auch pro coloranda possessione
dient.4»)
Daß nun bei den Servituten der zweiten Art die Er-
sttzung nicht möglich ist, weil man sich auf den titulus be.
rufen muß, und weil der titulus a non domino nicht ge.
nügr — also für die Ersitzung gar kein'Terrain da ist, steht
fest. Aber von den Besitzschutzklagen ist im Code civil gar
nicht die Rede. Der Code de procedere führt Nichts
darüber an, und daher bleibt uns immer überlassen, den
wahren Punkt des RechtS zu finden.
Diejenigen nun, die von der Ersitzung auf die Besitz«
schuyklagen schließen, sind schon deßhalb ganz in der falschen
Richtung, weil erwiesen ist, daß daS französische Recht drei
verschiedene Begriffe von Besitz hat, und daß nur da, wo
Ersitzung stattfindet, auf die Besitzschutzklagen geschloffen
werden kan», nicht aber umgekehrt. Aber eS stehen ihnen
auch, noch andre bedeutende Rücksichten im Wege.
A. Allerdings bestehen die Weggrrechtigkeiten und an-
dre hieher gehörigen Servituten in einem uti. Aber dieses
teilweise und beschränkte uti ist doch sehr von der Perso-
valservitut des usus zu unterscheiden, wo der ganze körper-
liche Gegenstand dir Natur des RechtS bildet» und die Ana.
^gie zum Eigenthume so leicht ist. So hat man z. B-
^kn Besitz deS Wohnungsrechtes geläugnet, während dieser
!U Tage liegt, gesetzt auch daß daS WohnungSrecht nicht
"festen werden kann. Hier greift auch schon allein die Na.
des römischen Rechte- und die allgemeine Vorstellung
^9) Die alten französischen contumes und ihre Interpretio» gin-
gen immer auf diese gemüthliche Richtung ein, und ver-
langten auch bei den eontinuirlichen Servituten eine Be-
zugnahme auf den Titel. Planck S> i46. Note 78.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer