Full text: Abhandlungen civilistischen und criminalistischen Inhalts (Bd. 4 (1842))

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Vom Besitz im Allgemeinen.

vom ksvtum, sondern vom Rechte handelt: allein der ge-
künstelte französische Begriff, wonach der Dejicient,
welcher ein Jahr besitzt, dennoch könnte mit der Bcsitzklage
verfolgt werden, wenn der DejecruS zeigt, daß er eben
erst davon Kenntniß erhalten habe, würde natürlich noch künst-
licher werden. Allein wir sind doch von der Wahrheit d rr er-
sten Ansicht überzeugt, schon weil die Römer angenommen
haben, die Dejection bei einem Grundstücke datire sich erst vom
Augenblicke, wo der Dejictrte dies erfahre, also selbst
das römische Recht, wo Alles von dem fseto abhing, nahm
diesen Gedanken an, und Bigot hat gewiß Recht, wenn
er sagt, der Dejicient sey nicht eher Dejicient, alS bis der
dejectus bei einem mittelbaren Besitze davon Nachricht
erhalten habe. Ebendeßhalb müssen wir auch durchaus in
civilistischen Gründen den letzten Satz im Art. 750. des ba-
dischen ProzeßgrscybucheS tadeln, der überhaupt ganz und
gar keine civilistische Unterlage hat.
v | DaS Resultat ist: 0
1) der Besitz ist nur verloren, wenn der Dejicient die
Sache ein Jahr lang hat, und wenn außerdem noch dem
DejectuS nach seinem Wissen sie ein Jahr verloren ist ,
L) sonst findet immerhin die Besitzschutzklage statt, weil
Störung und Entsetzung auf keine Weise unterschieden werden.
ES ist hier nicht der Ort in streng dogmatischer
Form die Lehre darzustellen, denn sonst würde man auch
sagen müssen, daß der Besitz verloren sey, wenn man nach
einem Jahre die Besitzschutzklage anstelle» will.
Don selbst wird endlich klar, wie eS bei dem Verluste
deS Besitzes durch Mittelspersonen ist. Maßt sich eine solche
den Besitz an oder läßt einen Andern in den Besitz kommen,
und der Besitzer hat Nachricht und läßt eS ein Jahr ge-
schehen, so sind Jene die Besitzer: derelinquirt aber die Mit-
telsperson den Besitz, so ist an sich weder dem Besitzer noch

37) Der Dejicient selbst aber hat keine Besitzschutzklage: es
steht dieses wohl nicht im Art. 23. der Proceßordnung, es
wird aber herein interpretirt, gewiß aber mit Unrecht in
der Richtung zu der dreißigjährigen Ersttzung. Troplong
de la prescription n. 331. ff. Zachariä I. §. 188.

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